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Den Matrjoschka-Lesern eine gutes Neues Jahr 2008
In Hannover ging der evangelische Kirchentag zu Ende. Die von der Evangelischen Kirche Deutschlands jedes zweite Jahr durchgeführte Veranstaltung beeindruckte auch diesmal durch ein großes Echo in der Bevölkerung. Nach Hannover kamen mehr als Hundert Tausend Menschen, davon viele Jugendliche. Sie kamen, fast ausschließlich auf eigene Kosten, um ihr Unbehagen mit dem fortschreitenden Verlust an humanen Werten im politischen und sozialen Leben zum Ausdruck zu bringen. Die Prominenz der Bundesrepublik nahm die Gelegenheit wahr, mit diesem engagierten Publikum in Kontakt zu treten. Mehrere führende Staatsmänner und Politiker, Angehörige der Kultur- und Wirtschaftselite stellten sich Diskussionen , wo oft Tacheles geredet wurde. So ging es in einer Debatte mit Bundeskanzler Schröder um die Folgen der Globalisierung für Deutschland und der Welt. Er räumte ein, dass dieser schicksalhafte und an sich unvermeidliche Prozess in vielem schief läuft. Es wird oft nicht den Nöten der Menschen, besonders in wirtschaftsschwachen Regionen und Ländern, sondern der Profit- und Machtsucht Rechnung getragen. Die Moral kommt dabei zu kurz. Die christliche erst recht. Gerhard
Schröder sah den Ausweg in der Stärkung der Vereinten Nationen.
Er plädierte
für eine maßgebende Rolle
der UNO bei der
Humanisierung des
internationalen Lebens. „Was
könnte man mit dem Geld, das für den Irak-Krieg ausgegeben wurde, Wie vor zwei Jahren wurde auf dem Kirchentag wieder der Ökumene stark das Wort geredet. Die Anhänger dieser Idee, die sich, wenn überhaupt, wohl nicht von Heute auf Morgen verwirklichen lässt, betonten das gemeinsame Anliegen aller Kirchen. Unabhängig von den übrigen Unterschieden, besteht dieses wohl im Dienst an den Menschen in aller Welt, deren Wohlergehen nur gemeinsam gewährleistet werden kann. ---------- In der Botschaft der Russischen Föderation in Deutschland wurden einer Gruppe deutscher Bürger Gedenkmedaillen zum 60. Jahrestag des Sieges über Hitlerdeutschland überreicht. Die Medaillen nahmen Deutsche in Empfang, die als Rotarmisten gegen die Hitlerdiktatur kämpften. Ihresgleichen gab es viele in den Kriegsjahren. Sie kämpften nicht nur mit der Waffe in der Hand, sondern auch mit dem aufklärenden Wort über die Ursachen und den unvermeidlichen Ausgang des Krieges. In vielen Fällen gelang es ihnen dadurch, das Leben ihrer Landsleute in der Wehrmachtsuniform zu retten. Jetzt sind nur noch wenige ihrer Kameraden da, aber die meisten davon sind weiterhin aktiv. Auch heute vermitteln sie als Zeitzeugen die Wahrheit über den schrecklichsten Krieg der Menschheitsgeschichte. Der russische Botschafter Wladimir Kotenjow, der am Festakt teilnahm, dankte ihnen dafür , was sie in den Jahren des Krieges und in der Nachkriegszeit leisteten. Der Vorsitzende des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses des Russischen Föderationsrats, Viktor Oserow, der im Zusammenhang mit dem 60. Jahrestag in Deutschland weilt, überbrachte ihnen Grüße der sowjetischen Kriegsveteranen. Er sagte, dass die Kameradschaft der Hitlergegner über die Grenzen hinweg auch heute, wo es gilt, neue Gefahren für die Zivilisation abzuwenden, beispielhaft ist. Im Namen der Ausgezeichneten sprach der bekannte deutsche Historiker Stefan Dörnberg. Er dankte Russland dafür, dass es ihm und seinen Schicksalsgenossen, den politischen Emigranten, in den Jahren des Krieges die Gelegenheit gab, an der Befreiung ihres Vaterlands von Hitler mitzuwirken. 28.4.05
In Berlin läuft das Kulturjahr „Zwischen Krieg und Frieden“ an. Bei dem Kulturjahr geht es darum, dem Publikum die Erinnerung an eine Zeitwende zu vermitteln, die noch lange eine unersetzliche Quelle der Besinnung auf das höchste Gut der Menschen bleibt. Auf den Frieden zwischen den Völkern. Um dieses Gut gebührend schätzen zu können, muss man den Krieg in seiner ganzen Scheußlichkeit begreifen. Vor allem, den schrecklichsten von allen, den Weltkrieg 1939-1945. Aber es gibt immer weniger Menschen, die ihn aus eigenem Erleben kennen. Deswegen wird die Besinnung mittels Hinwendung zu Zeugen und Zeugnissen immer wichtiger. Man möchte der Berliner und der Bundesregierung, den Schirmherren des Kulturjahres, wie auch den unmittelbaren Veranstaltern attestieren, sie haben etwas Einmaliges auf die Beine gebracht, um dies zu ermöglichen. Sowohl der Fülle und Vielseitigkeit der Veranstaltungen, als auch ihrer Zielausrichtung nach, kennt man kaum Vergleichbares. Unzählige Ausstellungen, Erinnerungsabende, Lesungen, Film- und Theatervorführungen, Bildungsfahrten... Alles hier aufzulisten, wäre unmöglich. Als sehr positiv empfindet der Berichterstatter die Erlebnisvielfalt, die dabei zum Ausdruck kommt. Vor allem in den Erinnerungen der einfachen Berliner, den Leidtragenden des Krieges. Sie überzeugen durch Alltagsdetails, die viel Anklang bei der hiesigen Jugend finden. Es ist nur selbstverständlich, dass einem russischen Journalisten nicht alle geäußerten Ansichten als stichhaltig vorkommen. Wichtig ist aber, dass im Großen und Ganzen die Akzente richtig gesetzt werden. Und zwar insofern, dass die Ursache des Martyriums vieler Deutschen nicht in dem Sieg der Alliierten, sondern darin gesucht wird, was diesem Sieg voranging. In den Verbrechen des nationalsozialistischen Staates, die keine anderen Folgen haben konnten. Ein beträchtlicher Teil der Veranstaltungen dokumentiert erfreulicherweise jene Aspekte der Haltung der russischen Soldaten zu Deutschland, die in den hiesigen Massenmedien oft genug verschwiegen oder missdeutet wurden. So eine umfangreiche Ausstellung im Bezirksmuseum Marzahn- Hellersdorf. Sie ist der Tätigkeit des ersten sowjetischen Kommandanten Berlins, General- Oberst Nikolai Bersarin gewidmet, der in den wenigen Monaten seiner Amtsführung viel gemacht hat, um der Berliner Bevölkerung das Überleben zu sichern. Das Berliner Kulturjahr „Zwischen Krieg und Frieden“ ist so geplant, dass es lange über den eigentlichen Anlass, den sechzigsten Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa, hinaus dauern wird. Es ist gut so. Jahrestage wie dieser kommen und gehen, aber die ihnen zugrundeliegenden Ereignisse bleiben als Menetekel bestehen. Und es ist sehr bezeichnend, dass Berlin, wo sich einst die Kommandozentrale der schlimmsten Kriegstreiber befand , zu einer Friedensmetropole Europas geworden ist, hoffentlich für immer. 24.4.05 Der Zweite Weltkrieg könnte bereits 1943, also zwei Jahre vor der tatsächlichen Einkehr des Friedens, beendet werden. Mit dieser These trat in Berlin der bekannte russische Diplomat und Historiker, Valentin Falin, auf. Das Treffen russischer und deutscher Journalisten mit Valentin Falin fand im Russischen Haus zu Berlin statt. Professor Falin, der umfangreiche Recherchen über die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Westalliierten während des Krieges anstellte, wies auf einige, in Vergessenheit geratene Tatsachen der Geschichte hin. An Hand der Akten, zum Teil erst in der letzten Zeit den Forschern zugänglich geworden, analysierte er die Haltung der USA und Englands in den ersten Monaten nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion. Er hob hervor, die angelsächsischen Mächte gingen damals davon aus, dass Hitlerdeutschland die Sowjetunion in kürzester Zeit zerschlagen werde. Ihre Prognosen unterschieden sich kaum von den Erwartungen der Blitzkriegsstrategen in Berlin. Und wenn doch, dann nur dadurch, dass sie das Wehrpotential der Sowjetunion noch mehr unterschätzten. Sogar nach der vernichtenden Niederlage der deutschen Invasionsarmee 1941 bei Moskau, die einen dicken Schlussstrich unter die Blitzkriegspläne zog, setzte bei einflussreichen Politikern in Washington und London kein Umdenken ein. Sie nahmen nicht wahr, dass das Ringen zwischen der Sowjetunion und Hitlerdeutschland den Ausgang des ganzen Krieges entscheidet. Anstatt gemeinsam mit Russland gegen Hitlerdeutschland auf dem wichtigsten, dem europäischen Kriegsschauplatz vorzugehen, kochten die Westmächte ihr eigenes Süppchen an der Peripherie . Ihre Hauptkräfte wollten sie erst nach dem von ihnen, wenn nicht herbeigesehnten, dann erwarteten Untergang der Sowjetunion in die Schlacht werfen. Deshalb verzögerte sich die Eröffnung einer zweiten Front gegen Hitlerdeutschland in Westeuropa. Obwohl man diese bereits 1942 hätte eröffnen können. Das hätte den Krieg bedeutend verkürzt und dem russischen, aber auch dem deutschen Volk viele Opfer erspart. Professor Falin mied weitgehende politische Wertungen, er hielt sich an belegbare Tatsachen. Aber das mit seinen Ausführungen angesprochene Kapitel des Zweiten Weltkrieges mahnt zu mehr Solidarität zwischen West und Ost, die auch nach der Beendigung des Kalten Krieges zu wünschen übrig lässt. 24.4.05
TRICKREICH Mit
einem Volksfest rund um
das Brandenburger Tor soll am 8.Mai in Berlin eine Demonstration der
rechtsextremen NPD verhindert Das
bevorstehende Fest gilt
einem Datum, das für alle Freunde der Demokratie
heilig ist. Dem achten,
beziehungsweise dem neunten
Mai 1945. An diesem Tag brach
die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland endgültig
zusammen. Das unerfreulichste
Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte wurde damit
geschlossen. Es öffnete sich
ein Weg zur Freiheit und Demokratie in Deutschland, aber auch auf
dem ganzen alten Kontinent. Zwar
wurde dieser Weg in den verflossenen sechzig Jahren mit vielen Rückschlägen
beschritten. Trotzdem führte
er zu einem neuen Deutschland und zu einem neuen Europa.
Deshalb wird der Jahrestag nicht nur in Deutschland gefeiert.
Vor allem auch in Russland, dem Land, dem der Hitlerfaschismus im
von ihm entfesselten Krieg schreckliche Wunden schlug. Und das am
meisten seinem Zusammenbruch beigetragen hat. Dass
Deutschland zusammen mit anderen Ländern in Ost und West
den Jahrestag feiert, ist
ein Beweis für die Richtigkeit
der Auffassung, die Russland schon immer mitvertrat. Auch im
Krieg. Und zwar, dass die Hitlerdiktatur und das deutsche Volk nicht
in einen Topf geworfen werden dürfen. Umso
perverser erscheint das Verhalten der deutschen Neonazis. Denn sie
wollen das Gegenteil vor
Augen führen. Durch
ihre Auftritte wollen
sie zeigen , dass in
Deutschland auch sechzig Jahre danach
die Unverbesserlichen am Werk sind. Jene,
die Hitler und seinen Mannen nachtrauern
und die Opfer des Terrors verhöhnen. Obwohl
die Neonazis unter der Tarnkappe des deutschen Patriotismus
auftreten, kratzen sie damit am positiven Bild Deutschlands in der
Welt. Und spielen allen Deutschhassern in die Hand. Es
ist deshalb selbstverständlich,
dass der Berliner Senat den Unfug verhindern will. Weniger
nachvollziehbar ist allerdings, wie das geschehen soll. Denn an sich braucht das Fest am Brandenburger Tor keine andere Motivation als Ehrung der Kämpfer gegen die Hitlerdiktatur und ihrer Opfer. Dass es auch dafür herhalten soll, den Aufmarsch der Neonazis vom Brandenburger Tor fernzuhalten, ist nur eine Notlösung. Sie deutet darauf hin, dass die antiextremistische Gesetzgebung in Deutschland nicht ausreicht, um die Provokateure in die Schranken zu weisen. Aller, die wie die Russen der demokratischen Ordnung in Deutschland großen Respekt zollen, werden das nicht ohne Bedauern zur Kenntnis nehmen. 24.3.05 ------- Der russische Verteidigungsminister Sergei Iwanow traf sich in Deutschland mit seinem Amtskollegen Peter Struck und besuchte mit ihm ein Übungsgelände der Bundeswehr. Berliner
Medien berichten, dass
Deutschland und Russland in
der Rüstung enger kooperieren wollen. Eine dafür eingesetzte
Kommission wird erstmals im April in St. Petersburg Summa summarum läuft die militärische Kooperation zwischen den beiden Ländern zufriedenstellend. Vermutlich besser als zwischen Russland und jedem anderen Nato- Land. Denn Deutschland und Russland wollen die strategische Partnerschaft auch im militärischen Bereich festigen. An sich wäre eine militärischen Kooperation zwischen zwei Ländern nicht selbstverständlich, welche nach den Zeitmassstäben der Geschichte gar nicht lange der Konfrontation ade gesagt haben. Vom furchtbaren Krieg 1941- 1945 schon gar nicht zu sprechen. Aber die Wende in den Beziehungen, die in der russischen Unterstützung der deutschen Wiedervereinigung vor fünfzehn Jahren ihren markantesten Ausdruck fand, hat vieles, früher kaum denkbares, möglich gemacht. Darunter die Zusammenarbeit im militärischen Bereich. Als
russischer Journalist möchte man in diesem Zusammenhang
nicht unerwähnt lassen, dass die Bundeswehr
hilft, das
Gedenken an die vor
sechzig Jahren gefallenen russischen Soldaten
in Deutschland wach zu
halten. Sie leistete
bei der Renovierung des Memorials an der Straße des 17. Juni
in Berlin und auch in anderen
ähnlichen Fällen Unterstützung.
Die Armee eines
demokratischen deutschen Staates ist eben den besten Traditionen der
deutschen Vergangenheit verpflichtet, in der sich Deutschland und
Russland bei weitem nicht nur bekriegten.
Obwohl beide Länder über eine beträchtliche militärische Schlagkraft verfügen, muss niemand ihrer militärischen Kooperation mit Vorbehalten begegnen. Im Gegenteil. Diese Kooperation ergänzt sinnvoll die Zusammenarbeit auf vielen anderen Feldern, wo beide Länder bemüht sind, ihrem eigenen Wohlergehen aber auch dem der anderen Länder, vor allem aber Frieden und Sicherheit in der Welt beizutragen. 4.3.05 -------
Wie die deutschen Medien mitteilen, hat das Auswärtige Amt der USA eine kritische Bestandsaufnahme der weltweiten Lage der Menschenrechte veröffentlicht. Auch Deutschland bleibt darin nicht ungeschoren. Ihm wird vorgeworfen, die Polizeigewalt zu missbrauchen.Es ist durchaus möglich, dass deutsche Polizisten die ihnen vom Gesetz zugestandenen Befugnisse ab und zu überschreiten. Denn es gibt wohl kein Land in der Welt, wo derartiges auszuschließen ist. Russland inbegriffen. Zweifelsohne müssen die Menschenrechtsverletzungen angeprangert werden. Auch international. In jedem Land der Welt, Russland inbegriffen, sollen die Ordnungshüter wissen, dass die Weltöffentlichkeit ihnen auf die Finger schaut. Allerdings verliert die Kritik fremder Menschenrechtsverletzungen an Überzeugungskraft, wenn sich der Kritiker selber einiges zuschulden kommen lässt. Daran erinnert ein skurriler Zufall. Die USA- Kritik an der Verhaltensweise der deutschen Polizei traf zeitlich mit einer hiesigen Veröffentlichung über eine haarsträubende Menschenrechtsverletzung durch die USA- Ordnungshüter zusammen. Es ging dabei um die Entführung eines deutschen Staatsbürgers arabischer Abstammung durch USA- Sicherheitskräfte. Die Rambos lauerten dem Mann in einem südeuropäischen Land auf, steckten ihn in ein vom Geheimdienst benutztes Flugzeug und brachten ihn nach Afghanistan. Das Zielland der Reise wurde mit Bedacht gewählt. Wie dem Entführten eröffnet wurde, seien auf einem Militärstützpunkt der USA im Ausland ideale Bedingungen vorhanden, um ungestört zu foltern. Was auch ausgiebig geschah. Allerdings ohne den beabsichtigten Informationsgewinn. Denn der deutsche Staatsbürger, der verdächtigt wurde, für Bin Laden tätig zu sein, hatte mit dem internationalen Terrorismus nichts zu tun. Es fand eine Verwechslung statt. Sicherlich macht jeder Geheimdienst Fehler. Die Geheimdienstler sind auch Menschen. Und Irren ist menschlich. Man hat aber ein komisches Gefühl, wenn man wahrnimmt, dass Ordnungshüter eines großen demokratischen Landes die Entführung und Folter von Bürgern eines befreundeten Landes offensichtlich für legitim halten. Und alle Proteste mit dem berühmten „no comment“ beantworten. Ohne sich zu entschuldigen. Das komische Gefühl steigert sich, wenn man sich weiterhin in Erinnerung ruft, dass das Land der Entführer weltweit als Menschenrechtsanwalt tätig sein will. Dieser Anspruch müsste wenigstens dazu verpflichten, Vorfälle wie den Geschilderten zu vermeiden. Und wenn dies doch nicht gelingt, zu verurteilen. Sonst entsteht der Eindruck, die Kritik an den anderen, in diesem Fall an der deutschen Polizei, soll zum politischen Druck missbraucht werden. Und der Kritiker verliert die Glaubwürdigkeit. Was vom amerikanischen Auswärtigen Amt sicherlich nicht beabsichtigt wird.
In diesem Jahr erinnert der Kalender sowohl die Russen, als auch die Deutschen an die Ereignisse, die für beide Nationen bedeutungsvoll sind. Der sechzigste Jahrestag des Zusammenbruchs des Hitlerreiches gehört dazu. Aber auch die Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands vor fünfzehn Jahren. Die Teilung Deutschlands kam uns, russischen Soldaten des Zweiten Weltkrieges, unerwartet. Unerwartet, weil unsere Regierung uns wie alle Russen immer wieder wissen ließ, dass der Krieg nur gegen faschistische Verbrecher, nicht gegen die deutsche Nation geführt würde. Expressis verbis hieß es, die Hitler kommen und gehen, der deutsche Staat bleibt bestehen. Wobei der einheitliche deutsche Staat, nicht die deutschen Teilstaaten gemeint waren. Die Teilung Deutschlands ließ sich schwer mit dem markanten Spruch unter einen Hut bringen. Eingeleitet wurde sie mit der Konstituierung des westdeutschen Staates unter der Ägide der USA. Und vollendet mit der Konstituierung der DDR unter der Ägide der Sowjetunion. Sie spiegelte die bereits eingetretene Teilung des gesamten Nachkriegseuropas und der Nachkriegswelt. Wie diese, war die Teilung Deutschlands ein Reflex des Kalten Krieges zwischen Russland und den USA, samt den freiwilligen und unfreiwilligen Verbündeten der beiden Supermächte. Mit der Zeit erhielt aber die Teilung Deutschlands eine mächtige Eigendynamik. Eine, die der Überwindung des Kalten Krieges im Wege stand und der Zementierung der Teilung Europas und der ganzen Welt beitrug. Ohne die Teilung aufzuheben, wäre der Durchbruch von der Konfrontation zur Kooperation zwischen Ost und West unmöglich. Viele hatten den Verdienst daran, dass der Weg zur Wiederherstellung der Einheit Deutschlands und Europas doch freigelegt wurde. Darunter die Urheber der neuen Ostpolitik in der Bundesrepublik Deutschland, der Politik des Brückenbaus zwischen West und Ost. Auch DDR- Bürger, die das spektakuläre Symbol der Teilung, die Mauer in Berlin, zu Fall brachten. Auch die sowjetische Führung, die sich mit der friedlichen Revolution in der DDR abgefunden hat. Und auch die einfachen Russen, die im Kreml eine Wachablösung erzwangen. Auch jene Politiker in Paris und London, die ihre Angst vor einem geeinten, erstarkten und souveränen Deutschland, wenn auch zögerlich, überwunden haben. Bereits fünfzehn Jahre existiert der wiedervereinigte, demokratische und friedliche deutsche Staat. Wie viele fragt sich der Verfasser dieser Beitragsreihe, der Soldat im Krieg gegen Hitler war, ob denn ein solcher deutscher Staat nicht bereits vor sechzig Jahren entstehen könnte. Wie viele bedauert er, dass die Mühlen der Geschichte mitunter sehr langsam mahlen. Und freut sich, dass sie doch mahlen. Vielleicht werden einmal auch andere Träume der Generation, die den Krieg mit all seinen Schrecken am eigenen Leibe erlebte, Realität. Der Traum vom ewigen Frieden und einer gerechteren Welt. Vorläufig ist davon wenig zu spüren. Auch sechzig Jahre danach. Aber denken wir daran, wie die deutsche Wiedervereinigung gekommen ist. Zu dem Zeitpunkt, als es schien, sie sei in die weite Ferne gerückt. Es gibt noch Wunder in der Welt. Allerdings geschehen sie nur, wenn man an sie glaubt und hartnäckig sie herbeizuführen versucht. Trotz Enttäuschungen. Die ehemaligen Kriegsgegner, Deutschland und Russland, die jetzt gemeinsam den sechzigsten Jahrestag des Friedens in Europa feiern wollen, haben aller Grund, dies zu tun. 25.2.05 --------- Die
Rechtsextremisten sollen künftig in Deutschland
nicht mehr an Gedenkstätten
für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft
aufmarschieren können. Die
deutsche Regierungskoalition hat einen entsprechenden Gesetzentwurf
in den Bundestag eingebracht. Es sieht eine Änderung des
Versammlungsrechts und des Strafgesetzbuches vor. Dabei geht es um
ein Versammlungsrecht und einen Strafkodex, die jedem
Vergleich standhalten. Nirgends sind die demokratischen
Freiheiten so gut aufgehoben wie in der deutschen Gesetzgebung. Aber
vom Verlangen beseelt, ein ganz anderes Deutschland als das der
Hitlerdiktatur entstehen zu lassen, haben die Gesetzgeber in ihr
Werk anscheinend ungenügende Sicherungen gegen Missbrauch
eingebaut. Deshalb
wohl musste der Verfasser dieses Berichtes
staunen, als er bei den Aufmärschen der rechten und
anderen Extremisten in
Berlin die untätigen Polizeikohorten sah. Die Ordnungshüter
verhielten sich wie paralysiert, auch wenn sie auf eine ziemlich
schamlose Weise provoziert wurden. Nach etwas zaghaften Anfragen des
Verfassers hieß es zumeist: Versammlungsrecht! Die Demonstration
sei genehmigt worden. Die
demokratischen Rechte und Freiheiten sind eine wundervolle Sache,
dachte dabei der Berichterstatter. Wer, wenn nicht ein Mensch, der
mehrere Jahrzehnte unter sowjetischen Verhältnissen lebte, weiß
diese zu schätzen. Und wer, wenn nicht er, der im Krieg das
nationalsozialistische Deutschland
kennen lernen musste, freut sich über die gegenwärtige deutsche
Republik. Und trotzdem dürfen Freiheit und Demokratie wohl nicht so
weit gehen, dass
sie
den verschworenen Feinden dieser Republik
zugute kommen. Allerdings kennt nicht nur Deutschland das Problem. Das gegenwärtige Russland auch. Auch in Russland wird deshalb an einem Gesetzeswerk gebastelt , das die noch ziemlich zarten Sprosse der Demokratie in diesem Lande vor Missbrauch schützen soll. Vielleicht können in Moskau dabei die deutschen Erfahrungen berücksichtigt werden, die darauf gerichtet sind, das schmutzige Wasser auszukippen, aber das Kind in der Badewanne zu lassen? Zum Gesetzentwurf der deutschen Regierungskoalition ist noch zu vermerken, dass das besonders Erfreuliche das gut gewählte Timing ist. Denn das neue Gesetz soll rechtzeitig vor dem 8. Mai 2005, dem 60. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus, in Kraft treten. Es wäre tatsächlich das Letzte, würden die Neonazis, die zahlreiche Aufmärsche, darunter einen inmitten der deutschen Hauptstadt, am Brandenburger Tor, im Sinne haben, das Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus wieder zur Hetze gegen die Befreier Deutschlands mit dem Gesetzessegen pervertieren dürfen. Zwar weiß man sehr gut, dass zwischen ihnen und den überaus meisten Deutschen Welten liegen. Trotzdem trägt falsche Toleranz nicht zum deutschen Ansehen bei. Erst recht nicht im Zusammenhang mit einem Datum, das im Ausland feierlich begangen werden soll. 18.2.05 -------------- In München ging die traditionelle Sicherheitskonferenz zu Ende. Noch vor der Konferenz stellte die deutsche Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen den US- Verteidigungsminister Rumsfeld ein, dem von einer Menschenrechtorganisation vorgeworfen wurde, für Folterungen im Irak verantwortlich zu sein. Das wurde von manchen Beobachtern als ein Zeichen der neuen, von mehr Eintracht geprägten Etappe in den Beziehungen zwischen den USA und Deutschland verstanden. Erst recht, weil der wiedergewählte USA- Präsident und seine Außenministerin beteuerten, auf die Interessen der europäischen NATO- Partner mehr Rücksicht nehmen zu wollen. So versprach das Vorspiel zur Konferenz ihren ruhigen Verlauf, ohne Sensationen und mit gegenseitigen Vertrauensvorschüssen der atlantischen Partner. Doch es kam anders. Dafür sorgte die auf Grund seiner Erkrankung vom Verteidigungsminister Struck vorgetragene Rede des deutschen Bundeskanzlers. Er mahnte mehr NATO - Anpassung an die neuen Realitäten in der Welt an. Auch mehr strategisches Gleichgewicht zwischen der militärischen Gewalt und der heilsamen Macht einer ausgewogenen Politik. In den eigenen Ausführungen des deutschen Verteidigungsministers wurde diese Mahnung dahingehend ergänzt, dass im Kampf gegen den internationalen Terrorismus mehr Wert auf die Beseitigung seiner sozialen und wirtschaftlichen Wurzeln gelegt werden soll. Und Bundespräsident Köhler rief zur Bekämpfung der Armut in der Welt und zur Achtung der kulturellen Identität der anderen Völker auf. Alles Grundsätze, die nicht unbedingt unter den NATO- Prioritäten zu finden sind.
An sich stellte der deutsche Vorstoß nichts ganz Neues dar. Die Debatte über die Strategieänderung der NATO wird schon lange geführt. Ziemlich ergebnislos, da die Entscheidungen nicht auf Konferenzen, zumal auf solchen wie die in München, gefällt werden, sondern im Weißen Haus oder auf einer Ranch in Texas. Und selbstverständlich im Pentagon. Das Letztere wurde in München auf skurrile Weise sichtbar, als der US- Verteidigungsminister Rumsfeld, der auf den deutschen Vorstoß sehr reserviert reagierte, den Konferenzraum verließ. Seinem Auszug folgte der Exodus anderer Teilnehmer, als hätte man von der Konferenz nichts mehr zu erwarten. Um die Darstellung der deutschen Position abzurunden, bleibt noch zu erwähnen, dass in Schröders Rede die Bedeutung der Partnerschaft mit Russland hervorgehoben wurde. Ohne Russland, geschweige denn gegen Russland seien Sicherheit und Stabilität in Europa nicht zu gewährleisten. Auch diese Feststellung ist nicht ganz neueren Datums. Aber auch sie hebt den Beitrag des Bundeskanzlers zur Konferenz von denen mancher anderer Teilnehmer positiv ab, die sich nicht überwinden konnten, das Wort Russland über die Lippen zu bringen. Und wenn schon, dann nur, um seine alten Sünden in Erinnerung zu rufen. Auf der Konferenz, noch mehr in ihrem Umfeld, wurde das transatlantische Bündnis angesprochen, das vor sechzig Jahren die faschistische Bedrohung der Zivilisation abzuwehren half. Angesichts des sechzigsten Jahrestages des Zusammenbruchs des Hitlerreiches und der neuen Gefahren für die abendländische Lebensweise ist die Erinnerung daran zweifellos angebracht. Insbesondere, wenn die Politik der Westalliierten Russlands nicht verklärt wird, die schon damals das Fundament der heutigen USA- Dominanz in der Welt legte. Einer Dominanz, die jetzt, sechzig Jahre danach, für Verbündete und Partner der Supermacht immer mehr zum Problem wird. Auf der 41. Sicherheitskonferenz sprach auch der russische Verteidigungsminister Sergei Ivanow. Er berichtete unter anderem über die Grundsätze und den Verlauf der Militärreform in Russland. Sie soll die russischen Streitkräfte an die neuen Herausforderungen anpassen, die auf der Konferenz erörtert wurden. 13.2.05 --------
In Deutschland ist das Einstein-Jahr eingeläutet. In Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard Schröder und anderen Vertretern der deutschen politischen Prominenz wurde am Berliner Kanzleramt ein Zitat von Albert Einstein feierlich enthüllt. Auch viele andere offizielle Gebäude in der deutschen Hauptstadt sollen demnächst Einstein- Zitate tragen. Der 100. Jahrestag der Einsteinschen Relativitäts- Theorie und der 50. Jahrestag seit dem Tode des genialen Physikers werden hier sehr erfindungsreich begangen. Ganz im Sinne des Menschen, dem sie gelten. Das passt gut in jene geistige Wiedergutmachung, die in der Bundesrepublik jetzt konsequenter denn je vollzogen wird. In jenem deutschen Staat, der aus den Verbrechen des Dritten Reiches und den Verirrungen des Kalten Krieges viel gelernt hat. Der seiner besonderen Verantwortung für die Humanität gerecht wird. Aber es gibt noch etwas im Hintergrund. Die hiesige Zukunftsvorstellung, die nicht an aufgeblähtes Gewaltpotenzial, sondern an die zunehmende intellektuelle Leistung des Landes knüpft. An eine Philosophie, der sich der Weltbürger Einstein verschrieben hat. Und deren Unvereinbarkeit mit der Stagnation der Wissenschaften, die Anfang der dreißiger Jahre in die deutschen Universitäten einkehrte, ihn zwang, Deutschland zu verlassen. Als der Verfasser vor dem Kanzleramtsgebäude die Enthüllung des Einsteinzitats erlebte, erinnerte er sich an sein Studium an der Moskauer Uni. Zu dieser Zeit, also Anfang der fünfziger Jahre, trat hier eine verheerende Politisierung der Forschung und Bildung ein. Die Wissenschaft durfte nicht über das von oben vorgeschriebene Maß kreativ sein. Deshalb standen die Relativitätstheorie, Kybernetik, Genetik und andere zukunftsweisende Richtungen der Wissenschaft unter Verdacht. Ein Einstein wäre damals in Moskau unwillkommen. Auch weil er den Autoritäten die Zunge rausstreckte. Wie auf einem Bild, das jetzt in Deutschland auf Schritt und Tritt zu sehen ist. In die deutsche Landschaft von Heute passt aber der unruhige Geist. Das einfallsreich gestaltete Einsteinjahr zeugt davon. Auch in Russlands Universitäten dürfen sich jetzt kühne Gedanken entfalten. Deshalb beging die Alma Mater des Verfassers ihr zweihundertfünfzigstes Jubiläum als eine von Dogmen freie und kreative Forschung- und Lehrstätte. Logisch, dass sich deutsche und russische Universitäten gut verstehen, einen intensiven Austausch pflegen und dem Nachwuchs aus dem jeweils anderen Land das Studium ermöglichen. Übrigens wurde die Moskauer Uni von einem Bauern aus der Gegend am Polarkreis gegründet. Zwei Jahrhunderte vor Albert Einstein geboren, zeichnete sich Michail Lomonossow durch denselben rebellischen Geist und dieselbe unversiegbare Schaffenskraft aus wie der Schöpfer der Relativitätstheorie. Wie dieser wetterte auch er gegen Professorenmief unter den Talaren. Und zwar nicht nur in Russland, sondern auch in Deutschland, das er als Student und Dozent kennen lernte. So wünscht sich der Verfasser dieses Berichtes, dass die Sprüche des genialen Russen, der aus einem verschneiten Dorf im tiefsten russischen Norden bis zu den Gipfeln der gelehrten Welt in Europa aufstieg, die Regierungsgebäude in Moskau schmücken, wie der soeben enthüllte Spruch Einsteins das Berliner Kanzleramt schmückt. 1.2.05 In der
Europäischen Akademie, Berlin, fand ein im Radio gesendetes
Streitgespräch zum Thema "Russland und Deutschland in
Europa, sechzig Jahre nach dem Krieg" statt. Obwohl es
laut Ankündigung um Russland und Deutschland in Europa gehen
sollte, erörterten die Gesprächsteilnehmer nur die bilateralen
deutsch-russischen Beziehungen. Vor allem die in der letzten
Zeit immer wieder bei den deutschen Expertenrunden angesprochenen
Abweichungen des heutigen Russlands von dem Bild eines vollkommenen
Rechtsstaates. Einem in
den deutschen Universitäten entworfenen Bild, dem nicht nur in
Russland, sondern in keinem Land auf der Erde, inklusive Deutschland
selbst, entsprochen
wird. Vermutlich deshalb, weil jeder Staat nicht aus der Retorte der
universitären Wissenschaft, sei sie noch so tiefsinnig,
entstanden , sondern in der Geschichte und der Mentalität
seines Volkes verankert ist und sich nach diesen nationalen
Gegebenheiten richten muss. Die Verdrängung
dieser schlichten Wahrheit verführte
manche am Gespräch beteiligten Experten zu einer
einseitigen Sicht der russischen Entwicklung unter der Präsidentschaft
von Wladimir Putin. Aber auch die deutschen Staatsmänner blieben
nicht ungeschoren. Ihnen wurde mit Nachdruck die Frage gestellt,
warum denn sie sich für die Festigung der Zusammenarbeit mit
Russland verwenden, obwohl sich der russische
Partner nicht
immer so verhält, wie er sich nach den Lehrbüchern
verhalten sollte. Allerdings
ist die Antwort darauf nicht schwierig. Die deutschen Staatsmänner
tun es, weil sie einen Eid geschworen haben, das Wohl ihres
Vaterlandes zu bewahren und zu mehren. Wie Präsident Putin auch.
Und das sollen sie tun,
indem sie dafür sorgen, dass Russland und Deutschland möglichst
produktiv zusammenarbeiten. In der internationalen Politik, in der
Wirtschaft, auf dem Feld der Kultur. Eine andere
Gestaltung der russisch- deutschen Beziehungen, und zwar eine, bei
der Deutschland seinen russischen Partner belehren würde, wie er zu
seinem Glück gelangen soll, hätte der Partnerschaft zumindest
nicht beigetragen. Und hätte nur jene erfreut, die sich ein schwächeres
Deutschland und ein schwächeres Russland wünschen. Und zwar nicht
gerade deswegen, weil sie beiden Ländern Gutes gönnen. Unter dem Strich ist zu bemerken, dass die Besetzung der Expertenrunde in der Europäischen Akademie zu Berlin eine produktivere Erörterung des bedeutungsschweren Themas erwarten ließ. Und wenn die Erwartungen trotzdem enttäuscht wurden, hing es nicht damit zusammen, dass die Experten, darunter eine Bundestagsabgeordnete, ein Wissenschaftler, ein Historiker und eine Medienfrau nicht genug über Russland wissen. Auch nicht damit hing es zusammen, dass sie Russland nicht mögen, was sie sehr glaubhaft abstritten. Es lag, wie ein Gesprächsteilnehmer bemerkte, am tiefsitzenden, wenn auch von Trägern selbst nicht immer wahrgenommenen Glauben, dass man den Affen erfunden hat. Einem Glauben, der leicht in die Irre führt, denn es gibt nicht nur eine Affenart, sondert eine Vielfalt davon. Und nicht nur in der Tierwelt. 30.1.05 --------------
Die deutschen Medien berichten über einen neuen Airbus, der, von einem Konsortium europäischer Firmen entwickelt, die Zukunft der Luftfahrt repräsentiert. Das neue Produkt der europäischen Luftschiffbauindustrie akkumuliert das Potenzial vieler Zweige modernster Technik. Damit zeugt es von der ungebrochenen Kreativität jenes Europas, das im Laufe der Jahrtausende einen unschätzbaren Beitrag zur Weltzivilisation leistete. Es leistet ihn auch heute. Obwohl es von manchen übereiligen Überseepolitikern bereits als alt, im Sinne von verbraucht, abgeschrieben wird. Nach Presseberichten hat Deutschland an der Entwicklung und Produktion des Airbusses erfolgreich mitgewirkt. Diese Leistung wird vielerorts als ein Zeichen der baldigen Bewältigung seiner derzeitigen wirtschaftlichen Probleme gesehen. Zwar liegt Deutschland beim Tempo der Zunahme seiner Industrieproduktion weiterhin hinter den meisten anderen europäischen Staaten, aber viele Wirtschaftsexperten sehen schon das Licht am Ende des Tunnels. Unter anderem weil es als Exportland dank dem hohen Niveau seiner Technik beachtliche Erfolge aufweist. Mit der Rate von zehn Prozent jährlich steigen die deutschen Exporte überdurchschnittlich. Als russischer Journalist freut man sich darüber, dass Russland die sich abzeichnende Erholung der deutschen Wirtschaft auf verschiedene Art und Weise unterstützt. So durch Lieferungen von Energieträgern. Bekanntlich decken russisches Erdgas und Erdöl einen beträchtlichen Teil der Bedürfnisse sowohl der deutschen kommunalen Wirtschaft, als auch der Industrie. Nach den jüngsten Absprachen auf höchster Ebene sollen die Kontinuität und Erweiterung dieser Lieferungen auch in der Zukunft gesichert werden. Im Kontext der deutsch – russischen Zusammenarbeit auf diesem und anderen Feldern fällt auf, dass die Kooperation zwischen der deutschen und der russischen Hightech noch zu wünschen übrig lässt. Bezeichnenderweise hat Bundeskanzler Schröder bei der Vorstellung des europäischen Airbusses dieses Thema angesprochen. Er meinte, Russland soll ins Projekt einbezogen werden. Dasselbe müsste wohl auch für viele andere Projekte gelten. Deutsche Experten, die das zum Beispiel bei Veranstaltungen des Forums Zukunft der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik anregen, liegen bestimmt nicht falsch. Ein intensiverer Austausch und breiteres Zusammenwirken in der Sphäre der Hightech würden den beiden Ländern viel nutzen. Umso mehr, dass die Partnerschaft zwischen den deutschen und US- amerikanischen Hightechfirmen, wie bei den erwähnten Veranstaltungen zu erfahren ist, oft am Streben der letzteren, einseitige Vorteile zu erheischen, scheitert. Vor einigen Tagen wurde in Deutschland das Albert Einstein-Jahr eingeläutet. Höchste Zeit, sich daran zu erinnern, wie der große deutsche Wissenschaftler den Beitrag Russlands zur europäischen Zivilisation, auch in Punkto Forschung und Entwicklung einschätzte. Er hat nämlich auf Russland auch in dieser Hinsicht große Stücke gesetzt. Der Schöpfer der Relativitätstheorie sah in der Partnerschaft zwischen Russland und Europa, einem Laien sei dieses Wortspiel verziehen, ein absolutes Muss. Erst recht gilt es für unsere Zeit, da vieles, was der Partnerschaft im Wege stand, überwunden ist. 19.1.05
IWAN
MATRJOSCHKIN, ESQ. MARSCHIERT MIT Unser
führender Experte richtete an den russischen Präsidenten W.W.
Putin eine Botschaft folgenden Inhalts.
Lieber
Wladimir, du weißt, dass ich immer zu dir stehe. Das bin ich schon
unserer alten Freundschaft schuldig. Aber
diesmal bin ich nicht mit dir, sondern mit vielen Tausenden Rentnern
solidarisch, die dieser Tage auf den Straßen russischer Städte
demonstrieren. Sie wollen nicht,
dass die ihnen zustehenden Rabatte
bei der Begleichung ihrer Mieten und anderer kommunalen Rechungen durch direkte Zuwendungen des Fiskus ersetzt werden. An ihrer Stelle hätte ich mich
genauso verhalten. Ich
erinnere mich an die in dieser Hinsicht
herrlichen Sowjetzeiten.
Ich bewohnte damals eine Dreizimmerwohnung in bester Innenstadtlage.
Die Monatsmiete betrug
fünf Rubel, fünfzig Kopeken. Das wäre heute viel weniger als ein
Euro. Damals war es mehr: drei DM! Zwar reichte das Geld der
Hausverwaltung nicht, um im Hauseingang wenigstens einmal fegen zu
lassen. Geschweige denn irgendwelche Reparaturen durchzuführen. Man
brauchte sich aber über
die Miete keine Gedanken zu machen. Schön war es unter
der Sowjetmacht, mein lieber Freund. Was
bezahlst du eigentlich für deine Wohnung im Kreml? Überhaupt
nichts? Siehst du! Die anderen möchten das auch. Aber
zurück in die Vergangenheit. Was ich für Strom, Gas, Heizung,
Wasser, Abwasser und Telefon bezahlen musste, weiß ich nicht mehr.
Übrigens brauchte ich gar nicht die Rechnungen
zu begleichen. Es wurde gar nicht kontrolliert, ob
es getan wurde. Denn die Kontrolle hätte mehr gekostet als das
Eintreiben der fehlenden Summen gebracht hätte . Ich
kann mich nur erinnern, dass
ich das Licht in der
Wohnung nicht ausschaltete, wenn ich auf
Reise ging. Auch
wenn die Birnen monatelang
in der leeren Wohnung brannten,
was machte es schon aus. Mit dem Wasser war es schlimmer. Beim
Rohrbruch wollte sich keiner darum kümmern. Die Überschwemmung
drohte. Aber eine satte Rechnung nicht. Die
Heizung blieb bis zum Spätsommer an.
Ausstellen konnte man sie sowieso nicht. Die Hähne an den
Heizkörpern waren rostig. Sie ließen sich gar nicht bewegen. War
es zu warm in der Wohnung, riss man die Fenster auf. Tagelang
standen sie offen. Bei der gut funktionierenden
Heizung, versteht sich. Da
es in jeder Wohnung praktiziert war, trug man damit zur Erwärmung
der Erdatmosphäre bei. Damals galt es noch für sinnvoll. Alle
wollten, dass Moskau
ein Klima wie Nizza
hat. Übrigens
musste ich nur die Hälfte der Miete und der kommunalen Rechnungen
bezahlen. Als ehemaliger Soldat hatte ich das Recht auf Rabatt.
Und als Doktor. Aber ich musste wählen, ob ich den Rabatt als ehemaliger Soldat oder als Promovierter in Anspruch nehme. Beides ging nicht. Der Staat war sehr sparsam. Er sagte entweder oder. Ich
schließe meine Botschaft in der Hoffnung, dass du, lieber Wladimir,
den russischen Rentnern entgegenkommst. Ihre Rabatte sollen erhalten
bleiben. Dann kehre ich vielleicht nach Russland zurück und werde
dich beraten. Im oben beschriebenen Sinn. Und gratis. Dein lieber Freund, <<<<Iwan
Matrjoschkin, Esq. PS.
Wenn ich hier in Deutschland meine Rechnungen erhalte, kommt mir die
Galle hoch. Das geht
nicht, lieber Gerhard! Sorge
dafür, dass auch hier der Sozialismus einkehrt. Der
sowjetischen Machart. Sonst gehe ich mit meinen Stammtischbrüdern
aus der Kneipe Sonnenschein, Berlin, Prenzlauer Berg, auf die Strasse. Wie die russischen Rentner. Mit
sozialistischem Gruß,
I.M. Esq. 18.1.01 ----------- In
Deutschland müssen zehn Tausend
Mitarbeiter der Opelwerke von ihren Arbeitsplätzen demnächst
Abschied nehmen. Von deutschen Experten wird ihr Los zu den
Folgen der Globalisierung der Wirtschaft
gerechnet. Auch
die Russen spürten hautnah die Folgen eines
Globalisierungsmissbrauchs. Besonders in der Zeit, als in
Russland die
Kapitalflucht ins Ausland einsetzte. Und auch die damit zusammenhängende
Flucht der russischen Wissenschaftler und Ingenieure, die im eigenen
Land keine Arbeit fanden. Diese Prozesse trugen viel zum Niedergang
der russischen Wirtschaft und
zum Absinken des Lebensniveaus der russischen Arbeitnehmer bei. Es
ist wohl nicht ganz gerecht, die Schuld an den unerfreulichen Folgen
der Globalisierung den nationalen Regierungen zu geben. Sie tun schon alles, was sie können, um das Wirtschaftsklima
in ihren Ländern zu
verbessern. Der deutsche Regierungschef
bereist bekanntlich die ganze Welt, um Wirtschaftsaufträge nach Hause zu bringen. Und sorgt
dafür, dass weiterhin Ströme von Erdöl und Erdgas
aus Russland nach Deutschland fließen,
damit die deutsche Wirtschaft ihre Energiegrundlage behält. Auch
der Chef der russischen Exekutive setzt sich für die Interessen der
nationalen Wirtschaft und der heimischen Arbeitnehmer ein. Unter
anderem dadurch,
dass er die Verfügungsgewalt der
Erdölbarone über die russischen Energieressourcen einschränkt.
Aber
die Erfahrung zeigt, dass die fatalen Folgen der Globalisierung, so,
wie sie jetzt läuft, mit Einzelaktionen schwer aufzufangen sind.
Um ihnen vorzubeugen, muss der Modus der Globalisierung
korrigiert werden. Vorläufig wird er weitgehend von einem einzigen Land zu seinem ausschließlichen
Nutzen bestimmt.
Von den USA mit ihrer erdrückenden Wirtschaftskraft. Andere
haben wenig zu
sagen. Insbesondere Russland, dem sogar die Aufnahme in die
Welthandelsorganisation bislang nicht gegönnt wurde. Übrigens
spielt dabei vielleicht die Tatsache eine Rolle, dass in Russland
die Wirtschaftsbosse an der kürzeren Leine als sonst wo
gehalten werden. Nicht von Ungefähr fanden die vom russischen
Fiskus belangten, neugebackenen Dollarmilliardäre viele eifrige Anwälte, besonders im Übersee.
Wie
es scheint, hat dies Russland nicht
besonders beeindruckt. Der Kreml bleibt ein Befürworter der freien
Marktwirtschaft und lädt ausländische
Investoren ein. Das ist ein Vektor seiner Wirtschaftspolitik. Der
andere setzt aber voraus, dass
die Globalisierung gerecht gestaltet werden muss. Damit
sie keine
Wirtschaftsmisere herbeiführt,
beziehungsweise festschreibt.
Diese
Forderung an die Globalisierung liegt im wohlverstandenen Interesse
aller Staaten in
Europa. Auch der reichsten unter ihnen. Sonst hätten sie vermutlich
der EU- Osterweiterung nicht zugestimmt.
Sicherlich wurde diese nicht
deswegen beschlossen, um ärmere Staaten Europas noch ärmer zu
machen, sondern um eine allmähliche Angleichung des Lebensniveaus
in Europa einzuleiten. Mag
das zuerst kostspielig, letztendlich
wird das doch billiger sein als ein starkes Wohlstandsgefälle auf
dem Kontinent, wo die Grenzen offen sind. Auch für die Transfer der
Armut.
Wenn Europa als Ganzes wohlhabender wird, ziehen seine Arbeitnehmer nicht mehr den Kürzeren. Wie jetzt die globalisierungsgeschädigten Autobauer der deutschen Tochter von General Motors. 10.12.04
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