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RUSSEN IN BERLIN (FORTSETZUNG)

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DER REVOLUTIONSJAHRESTAG IN DER RUSSISCHEN BOTSCHAFT

 

Die Botschaft der Russischen Föderation in Berlin und die Vertretung der Deutschen Wirtschaft in Moskau luden Wirtschaftsmanager, Politiker und Kulturschaffende beider Länder zu einem Galaempfang ins traditionsreiche Botschaftsgebäude  Unter den Linden.

 

Obwohl der Empfang am 7. November stattfand, galt er nicht, wie diese in den längst verflossenen Jahren dem Jahrestag der Oktoberrevolution 1917 in Russland. Trotzdem oder vielmehr gerade deswegen  kamen mehr als tausend Gäste auf ihre Kosten. Denn dank der deutschen Sponsoren, die für die Revolution nicht viel übrig haben, wurde reichlich aufgetischt und ein einfallsreiches Unterhaltungsprogramm geboten.

 

Außerdem  hatten die Gäste Gelegenheit, Zeugen zweier markanter Ereignisse zu sein. Dazu gehörte die Ehrung von Frau Doktor Andrea von Knoop, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation. Vom russischen Präsidenten Wladimir Putin wurde sie vor kurzem mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet. Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Krylow, dankte Dr. Andrea von Knoop für ihr Engagement bei der Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern.

 

Ein anderes Ereignis, das bei dem Galaempfang gewürdigt wurde, war der Start des privaten russischen Radios in Berlin. Ab jetzt bietet das Radio „Russkij Berlin“ auf UKW 97,2 den zweihunderttausend russischsprachigen Bürgern der deutschen Hauptstadt ein umfangreiches Informations- und Unterhaltungsprogramm. Unsere site gratuliert den  Geburtshelfern  des ersten russischsprachigen Hörfunksenders in Berlin. Einen Hörfunksender dieses Formats gab es bis jetzt weder in Deutschland, noch  in ganz Westeuropa. Er wird zu   einer wichtigen Ergänzung der bereits florierenden russischsprachigen Presse außerhalb der Grenzen Russlands.  

 

Der Galaempfang in der russischen Botschaft, von den Veranstaltern als Herbstball bezeichnet, fand in Berlin viel Anklang.

 

8.11.03

Kakerlaken-Marathon der Weltgeschichte

Zum 30jährigen Bestehen des Berlin-Marathons hat sich der legendäre Kakerlaken-Rennstall von Nikolai Makarov dazu entschlossen, diesem Ereignis auf spektakuläre Weise seine Reverenz zu erweisen. Im Vorfeld des Rennens registrierten sich bereits 66 Kakerlaken, maximal 99 sollen teilnehmen dürfen.

Zur besseren Orientierung wird das Spektakel, dessen Startschuß gegen 23 Uhr erfolgt, durch Videoprojektionen außerhalb der Paris-Bar übertragen, so daß die Vielzahl sportbegeisterter Passanten den Rennverlauf auch von der Kantstraße aus verfolgen kann. In der Aufwärmphase des Abends werden Bilder vom gefährlichen Marathon-Training gezeigt, das die Schützlinge aus dem Rennstall in der Vorbereitung auf das Event zu absolvieren hatten.

Die bei Makarov unter Vertrag stehenden Langstreckenasse aus der "Formel K" werden von der Fachwelt zu den unumstrittenen Favoriten gezählt. Zu ihnen gehört bei den männlichen Kakerlaken u.a. Läufer Ivan, der aufgrund seiner eisernen Disziplin, schockierenden Kaltblütigkeit und seines eiskalten Durchsetzungsvermögens von der Gegnerschaft gefürchtet wird.

Seien Sie dabei, wenn die Kakerlaken ihrem ersten Marathon-Wettlauf entgegenfiebern. Reservierung unter: Tel. (030) 310150 -94, Fax -93

Veranstaltungsort

Bar Paris Bar
Kantstr. 152,  10623 Berlin

PS. Normalerweise bringt "matrjoschka-online.de" keine Werbung. Aber die Einmaligkeit des Ereignisses, das nach unserem Ermessen einen Beitrag des in Berlin wirkenden russischen Künstlers Nikolai Makarow zum russischen Kulturjahr in Deutschland ist, rechtfertigt die Ausnahme. Meint Iwan Matrjoschkin, Esq., mit Kakerlaken gut vertraut und über  ein Konkurrenzprojekt in der Gaststätte Sonnenschein sinnierend. 

24.9.03 

Im Studio des Berliner Maxim-Gorki-Theaters  wurde als Beitrag zum Jahr der russisch-deutschen Kulturbegegnungen das Bühnenstück "Die Hochzeitsreise" vom skandalumwitterten russischen Autor Wladimir Sorokin  aufgeführt.  

Als sich die aus Moskau angereisten  Schauspieler  vor dem Publikum im überfüllten Zuschauerraum verneigten, ernteten sie tosenden Beifall. Allerdings ließen sich in den anschließenden  Gesprächen  weniger Begeisterung, eher Nachdenklichkeit, Betroffenheit und sogar Ablehnung vernehmen. Sie bezogen sich nicht auf die einwandfreien schauspielerischen und Regieleistungen, sondern auf die in der dramatischen Vorlage verankerte Behandlung der für die Deutschen sehr heiklen Fragen. Vor allem die Frage nach der Verantwortung der gegenwärtigen Generation für die Greueltaten Nazideutschlands.

 

Sorokins  Held, Sohn eines hohen SS- Offiziers, fühlt sich zwar für die Verbrechen des Vaters verantwortlich, aber im Stück wird seine Haltung als  psychische Erkrankung    dargestellt und sogar mit sexuellen Verirrungen in Verbindung gebracht. Die Pathologien finden ihren Ausdruck in der unbändigen Liebe des Helden zu einer jungen Russin jüdischer Herkunft. Auf sein Drängen muss sie ihn immer wieder auspeitschen. Allerdings hat auch sie  ein Skelett im Schrank. Denn Ihre Großmama  war unter Stalin eine Stasi- Untersuchungsrichterin und zeichnete sich durch besondere Grausamkeit aus.

 

Das als eine Parabel gedachte Sujet geht an der historischen Realität mindestens insofern vorbei, dass die meisten Deutschen  die Bewältigung  der  Vergangenheit nicht darin sehen,  sich, wenn auch  im übertragenen Sinne, von jemandem auspeitschen zu lassen. Zwar versuchten  die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, vor allem die westlichen, in der ersten Nachkriegszeit nicht ohne Erfolg, den Deutschen für immer ein lähmendes Schuldgefühl einzuimpfen. Aber letztendlich gewann das Land, übrigens nicht ohne russische Hilfe,  seine Souveränität doch wieder. Auch die geistige Souveränität, die es ihm jetzt ermöglicht, sich  aktiv für die neuen, friedlichen  und konstruktiven Verhältnisse in Europa einzusetzen.  Mit dem auf  der Bühne überstrapazierten Opfer- Täter- Verhältnis hat dieses  Engagement  wenig zu tun.

 

Sicher wäre es  verkehrt, die politische Messlatte an das Bühnenstück anlegen zu wollen. Aber Sorokins simplifizierende Interpretation der  komplizierten, vielschichtigen psychologischen  Vorgänge rächte sich auf der Theaterbühne. Und zwar in dem Unvermögen, die Spielzeit mit wirklich spannendem Stoff auszufüllen. Die eher  peinlichen, als amüsanten  Mätzchen, wie die breitgetretene Vorführung der russischen Wodkasitten als Gegenstück zur bayerischen Vorliebe für Weißbier oder die dauernden drastischen russischen Mutterflüche vermochten es jedenfalls nicht.  

 

Insgesamt also fiel das Spektakel aus dem  Rahmen des russisch- deutschen Kulturjahres. Denn dieser Rahmen verpflichtet, wie man denken möchte, zu einem gewissen Niveau. Erst recht, wenn es um eine Theateraufführung geht, die  von den Kulturbehörden beider Länder gesponsert und abgesegnet wurde.     

6.2.04

KROKODIL"

Am 12. April um 19.00 öffnet das Kino „Krokodil“ in Berlin seine Pforten.  Es ist kein kommerzielles Unternehmen. Von einem mächtigen, aber kleinen Häuflein einfallsreicher Freunde der russischen Kultur ins Leben gerufen, will „Krokodil“ filminteressierten Berlinern und Gästen der deutschen Hauptstadt Gelegenheit bieten, russische Filme  zu sehen. Sicherlich ist es nicht das einzige Kino, wo solche Filme gezeigt werden. Aber das einzige, wo sie den Kern des Vorführungsprogramms bilden. 

Ein zeitgerechtes Vorhaben.  Denn die russische Filmkunst, einst durch ihre mutigen und innovativen Produktionen bekannt,  ist jetzt dabei, nach einer  langen Stagnationsperiode aus dem Tal der Tränen herauszukommen. Von Jahr zu Jahr werden in Russland immer mehr Streifen gedreht, die kein Abklatsch von Hollywood, sondern von  Inhalt und Form her der russischen Eigenart verpflichtet sind und deswegen auch immer mehr Filmspielpreise erhalten. Sie anzugucken, heißt immer öfter, eine kleine Reise nach Russland zu machen, ohne sich in Ausgaben stürzen und auf seinen Urlaub auf Mallorca verzichten  zu müssen. Das bezieht sich auch auf den kurzen Streifen „Heute bauen wir ein Haus“ von Sergej Losnica und Marat Magambetov, der am Eröffnungsabend des russischen Kinos „Krokodil“ gespielt wird.  

Einst begann der russische Kultfilm „ Panzerkreuzer Potjemkin“, vom genialen Filmregisseur  Sergej Eisenstein gedreht, in Berlin seinen Triumphzug durch die Welt. Wie damals, in den zwanziger Jahren,  ist Berlin auch heute ein Lebensschwerpunkt der weltweiten russischen Diaspora. Vielleicht wird einmal ein neues Meisterstück     der russischen Filmkunst von Berlin aus die Welt erobern. Wir wünschen, dass  seine Deutschland-Premiere im „Krokodil“ stattfindet. 

Und jetzt die Anschrift des Kinos Krokodil: Greifenhagener Straße  32, 10437 Berlin, von der S-und Bahn Schönhauser Allee fünf Minuten zu Fuß. Fon/Fax 030/ 44 04 9298.

2.4.04   

Die deutsche Gesundheitsreform ist Quatsch, meint ein in Berlin tätiger russischer Arzt. Er ist Psychiater und auch erfolgreicher Filmemacher. In einem Zeitungsinterview sagte er:  

„Ich kann drei Gesundheitssysteme vergleichen. Das amerikanische, russische und deutsche. Und?  Die Probleme sind überall die gleichen – Beamte, Bürokraten, finanzielle Defizite bei der Umsetzung neuer Gedanken. Unlösbare Probleme. Kürzlich kaufte ich mit das Buch „Bekannte Emigranten aus Russland“.  Die gleichen Schwierigkeiten. Hundertprozentig. Und Russland ändert sich nicht. Kürzlich telefonierte ich mit einem Bekannten, einem Arzt, in Moskau. Er erzählte mir, es sei wie immer – kein Geld, keine Medikamente, saumäßige Organisation,  Korruption wohin man blickt. Krankenversicherung gibt es und gibt es nicht. Der Kranke muss seine Operation selbst bezahlen.  

Aber jetzt wird auch das Gesundheitssystem in Deutschland zugrunde geritten. Keine Frage! Das Chaos, das ich in letzter Zeit in den Kliniken hier erlebe, erinnert mich an die Sowjetunion der siebziger Jahre. Anstatt den Großkonzernen die Steuern anzuheben, die bei ihren Milliardengewinnen anderthalb Prozent mehr oder weniger Steuern überhaupt nicht merken, wälzt die Regierung alles auf die Rentner ab, die größtenteils eine kleine Rente haben. Jetzt müssen ausgerechnet sie bei Medikamenten, medizinischen Dienstleistungen zuzahlen, sodass ihnen praktisch nichts übrigbleibt. Dabei sind es meistenteils Frauen, die das Nachkriegsdeutschland wiederaufbauten (sechs Millionen Männer sind im Krieg geblieben) und ein schweres Leben hatten.“  

Der Arzt heißt Igor Berschadski. Die Zeitung „Europa Express“ erscheint in Berlin in russischer Sprache.

22.3.04      

 

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