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ÜBER
DIE NÄCHSTENLIEBE
im
Team von matrjoschka-online. de
Iwan
Matrjoschkin, Esquire, beschuldigte die Holzpuppe
sozialer
Kälte. Die Ursache: Mit Hinweis auf
Ebbe in der Kasse des Konzerns schlug diese Holzpuppe die vom
Esquire vorgetragene Bitte um eine kleine Spende ab.
„Marktwirtschaft, mein Lieber, sagte sie. Du musst den Gürtel
enger schnallen. Sonst verlieren wir den Wettbewerb mit dem Springer-
Konzern.“
Iwan
Matrjoschkin ließ den Einwand nicht gelten. Er erinnerte daran, dass die
Marktwirtschaft in Deutschland eine soziale Marktwirtschaft ist. Deshalb
darf der Hinweis auf die Zwänge
des Marktes nicht missbräuchlich verwendet
werden. Der Wettbewerb soll nicht als Vorwand dienen, Leistungen an sozial
Schwachen wie er abzuschaffen.
Er
drohte sogar mit Streik. Wie die Metaller und Werktätigen im Baugewerbe
Deutschlands.Unter der Sowjetmacht, sagte hier die
aufgebrachte
,hättest
Du das Wort „Streik“ nie in den Mund genommen. Sonst wäre
der Tatbestand der Sabotage der sozialistischen
Gesellschaftsordnung erfüllt. Und ab nach Sibirien, Iwan Matrjoschkin,
Esquire.
Und
Du, verdammtes Weib mit hölzernem Herz, schrie Esquire, hättest Dich im
Sozialismus nie getraut, meine Bitte um eine kleine Spende abzulehnen.
Sonst hätte dich die Verachtung der Gemeinschaft gestraft. Da waltete
noch das Mitleid mit den Notleidenden.
wurde
nachdenklich. Tatsächlich, sagte sie, der sozialistische Staat war
ausgesprochen gewalttätig, verstieß sogar gegen eigene
Gesetze. Aber in der Gesellschaft gab es mehr Nächstenliebe.
Drollig, aber wahr. Warum?
Sehr
einfach, sagte Matrjoschkin. Jeder wusste, dass das
Wenige, was er hat, ihm nicht wegläuft. Zwar fraß er die Wurst,
die zu 9/10 aus Roggen und Weizen bestand, zwar musste er in einem
Zimmer mit seiner Schwiegermutter wohnen, aber er bangte nicht um das
Wenige, was er hatte. Erstens, weil es zu wenig war, um darum zu bangen.
Zweitens, weil niemand ihm das Wenige
nahm, weil es sich nicht lohnte. Und so dachte er nicht nur daran, ob und
wie er selbst über die Runden kam, sondern sah auch die anderen um sich.
Die Nächsten eben. Und war mitleidender als Du, dumme Holzpuppe, die mir
die kleine Spende abschlägt.
seufzte,
holte den Schlüssel, öffnete den gut gesicherten Panzerschrank, entnahm
ihm einen Fünf- Euroschein und hielt diesen Matrjoschkin hin, wobei sie
ihn ermahnte, Maß zu üben, damit er am nächsten Morgen
einsatzfähig ist.
16.06.02
DAS
POLITBÜRO DER MATRJOSCKA-ONLINE- HOLDING SCHLÄGT VOR:
GEBT
GEORGE W. BUSH UND WLADIMIR PUTIN DEN FRIEDENSNOBELPREIS!
Am
Tag der Ankunft des USA- Präsidenten in Moskau versammelte sich das
Politbüro der Matrjoschka-Online- Holding.
Die Vorsitzende
erteilte
Iwan Matrjoschkin, Esq., das Wort.
Freundinnen,
sagte er und grinste gemein. Der volle Erfolg des russisch- amerikanischen
Treffens auf höchster Ebene steht von vornherein fest. Damit auch die
enormen Verdienste der
größten Staatsmänner des
XXI. Jahrhunderts. George W. Busch und Wladimir Putin.
Oder Puti- Puta, wie der russische Präsident im amerikanischen
Volksmund heißt. Und Жорик
(Verkleinerungsform von Georg) wie Bush in Russland liebevoll genannt
wird.
Einspruch!
sagte
Wofür
der Ami den Friedenspreis kriegen soll, ist klar. Der weltweite Krieg
gegen den Terror.
Heute in Afghanistan, morgen im Irak, übermorgen im Iran usw. Wofür aber
der Russe? Er führt nur einen lokalen Krieg. In Tschetschenien. Ist es
nicht zuwenig für den Friedenspreis?
Du
vergisst, entgegnete I.M, Esq., andere Verdienste der beiden Präsidenten.
Wie George W. Bush am Vorabend seiner Reise nach Moskau
sagte, haben sie einen
Schlussstrich unter den kalten Krieg gezogen.
Ist das wenig?
Haben
das vor zwölf Jahren nicht Bush senior und Gorbi bereits getan? Und wurde
die Tat damals nicht mit dem Preis gewürdigt? fragte
Quatsch,
entrüstete sich I.
Matrjoschkin. Jetzt soll der Schlussstrich dicker sein. Damit wir in einer
neuen, gerechteren und friedlicheren Welt leben können.
Wie
sie vor zwölf Jahren auch
versprochen wurde, sagte
.
Wo aber ist diese Welt? Sie ist nicht da. Sonst hätte Bush- Junior sie
nicht wieder versprechen müssen.
Politik
ist die Kunst des Möglichen, sagte Matrjoschkin gewichtig. Der preiswürdige
Verdienst der beiden Präsidenten besteht darin, dass sie diese Kunst
perfekt beherrschen. So holt George W. Bush das
Meistmögliche aus der militärischen, wirtschaftlichen und
politischen Dominanz der USA heraus.
Und
der andere? fragte

Auch
er, sagte der Esquire. Schöne, anerkennende Worte des mächtigsten
Staatsmannes der Welt. Ist das nicht das Meistmögliche für einen Präsidenten
des heutigen Russlands?
Eines
Russlands, das so ist, wie sie ist, weil der leibliche Vater des
gegenwärtigen USA- Präsidenten und Gorbi, der geistige Vater des gegenwärtigen
russischen Präsidenten, die Politik als die Kunst des Möglichen
auch perfekt beherrschten, sagte hämisch die als verkappte
Kommunistin verdächtigte

Wie
immer wurde aber auf ihre gehässigen Worte gar nicht eingegangen.
Einhellig
(mit einer Stimmenenthaltung) beschloss das Politbüro, an das
Nobelkomitee den Vorschlag zu
richten, George W. Bush und W.W.Putin den Preis für herausragende
Friedensleistungen zu verleihen. I. Matrjoschkin, Esq., wurde beauftragt,
die diesbezügliche Botschaft in Oslo höchstpersönlich zu
überreichen. OK, sagte er, wenn ihr wollt, fliege ich nach Oslo. Wenn ich
nicht zu knapp mit Geld ausgestattet werde. Ihr wisst schon, was ich
meine.
Die
vorsitzführende
drohte
mit dem Finger.
24.5.02
DANKSAGUNG
VON IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ.
AN
ALLE BERLINER
Liebe
Berliner, am 9. Mai d.J. unternahm ich mit meinem Vehikel (Siehe
Abb. auf dem Link „In eigener Sache“) eine ausgedehnte Reise
durch Außenbezirke der Bundeshauptstadt. Die angenehme Überraschung: überall
wurde gefeiert. Auf jedem grünen Fleck gegrillt, an jeder Theke
getrunken, viel Lifemusik gespielt. Ich fühlte mich in die Umgebung von
Moskau versetzt. Nicht anders feiern auch die Moskowiten den Tag des
Sieges im Großen Vaterländischen Krieg, dessen Jahrestage auf den 9.Mai
fallen. Und da sagen noch manche missgünstigen Leute,
die Deutschen gönnten den Russen den Sieg nicht und seien schadenfroh, dass
es den Siegern so schlecht geht, als
wären sie die Besiegten.
Selbstverständlich
versuchte ich den
deutschen Freunden meine Anerkennung zu vermitteln.
Dort, wo es ging, stellte ich mich den Feiernden vor: Iwan
Matrjoschkin, Esquire, und sagte, dem großen Vorbild folgend: „Ich bin
ein Berliner“.
Ich
will es der Öffentlichkeit nicht verheimlichen, dass ich mitunter
auf Unverständnis stieß. Ich wurde angestiert, als käme ich vom
Mond. Mir wurde angedeutet,
ich sollte mich entfernen. An keine einzige Tafel wurde ich
eingeladen.
Das
fand ich nicht in Ordnung. In Russland wäre es mir nicht passiert.
Auch
glaube ich, herausgehört zu haben, nicht alle wussten über den Anlass
des Festes Bescheid. Einige sprachen zwar von einer „Männertat“, wenn
ich mich nicht verhört habe. Als ich aber freudig bestätigte, dass die
Befreiung Deutschlands und Europas
tatsächlich eine beispiellose Männertat war,
wurden sie begriffsstutzig. Es gab auch welche, die mir Vogel
zeigten. Angesichts meines vertrauensvollen Umgangs mit den führenden
Staatsmännern der Gegenwart (siehe meine Interviews auf diesem Link) war
es mir etwas peinlich.
Trotzdem
kehrte ich frohen Mutes nach Hause zurück , stellte mein Fahrzeug an die
Futterkrippe mit frischem Heu und ging in die Eckkneipe. Hier
setzte ich mich an den Stammtisch. Mein Vorschlag, auf den Sieg zu
trinken, wurde von den Kneipenbrüdern sofort akzeptiert. Da
ich zum Fest eine (leider, kleine)
Prämie im matrjoschka- online- Konzern erhielt, bezahlte ich die Runde.
Allen
übrigen Berlinern, auch denen, die
mich verletzt haben, spreche ich hiermit meinen
Dank dafür aus, dass sie den russischen Festtag mitgefeiert haben.
9.05.02,
гор. Берлин.
IWAN
MATRJOSCHKIN, ESQ., ÜBER GEWALTDARSTELLUNGEN IM DEUTSCHEN FERNSEHEN.
EIN OFFENER BRIEF AN DEN DEUTSCHEN BUNDESKANZLER
Vorwort
der weiblichen Puppen:
Iwan schrieb
seinen „offenen Brief“ in einem stark angeheiterten Zustand. Da er
wieder mal blank war, musste er sich nämlich längere Zeit
in Enthaltsamkeit üben. Als
er aber an die Verfassung des Briefes ging, erweichte er das Herz der
,
die turnusmäßig das Geld
des matrjoschka - online – Konzerns verwaltete. Er sagte, er bräuchte
ein Gläschen Wodka zur Inspiration. Als die Holzschwester ihm einen
Vorschuss von fünf Euro gewährte, besorgte er sich aber eine ganze
Flasche und leerte sie innerhalb einer Stunde. Zuviel des Guten. Daher rührt
der frivole Ton des „Offenen Briefes“. Wir bitten den Herrn
Bundeskanzler, diesen zu
entschuldigen. Und jetzt der Text:
Sehr
geehrter Herr Bundeskanzler, Eure Exzellenz!
Мелко
пашете
(ein russisches Idiom, in etwa: Sie greifen
zu kurz). Die furchtbare Tat im Erfurter Gymnasium ist nicht
dadurch zu erklären, dass der
Täter viele Gewaltvideos
anguckte. Der Mensch, auch ein junger Mensch, ist kein Affe. In seinem
Verhalten spiegelt sich nicht
so einfach das, was er auf dem Bildschirm sieht. Ich habe auch viele
Aktion- Fernsehfilme gesehen,
wurde aber – Gott sei Dank- dadurch
nicht zu Gewalt verleitet. Obwohl,
ehrlich gesagt, у
меня часто
руки чешутся (ein russisches Idiom, in etwa: es juckt mir in den
Fingern, zuzuschlagen), wenn ich
mit der Arroganz der weiblichen Holzpuppen
konfrontiert werde.
Nun gut,
Sie, Herr Bundeskanzler, können sagen: Du, Matrjoschkin, darfst Dich mit
einem halbverrückten Gymnasiasten nicht
vergleichen. Du bist weltweit als eine sehr intelligente und gebildete
Person bekannt. Du bist Intimfreund von mehreren großen Staatsmännern,
darunter Lord Robertson von Port Ellen. (Anm. von:
Die Freundschaft wurde von offizieller Seite nicht bestätigt). Schließlich
bist Du, Matrjoschkin, ein friedlicher Mensch (Anm. von
in unserem Team gilt Iwan als unberechenbar).
Das alles
stimmt, Herr Bundeskanzler. Ich bin mit Ihnen in der Beurteilung meiner
Wenigkeit weitgehend einverstanden. Und trotzdem...
Wenden wir
uns der Geschichte meines Herkunftslandes zu. In der mit recht
abgewickelten Sowjetunion gab es überhaupt keine Gewaltdarstellungen in
den Medien. Die Krimis, wenn sie im Fernsehen oder im Kino liefen, was
selten geschah, enthielten kaum Gewaltszenen.
Kapitalverbrechen wurden zumeist totgeschwiegen. Und trotzdem blühte
im Lande die nackte Gewalt.
Allerdings-
das muss ich zugeben- nicht so sehr von privat, sondern viel mehr von der
Seite des Staates. Der Staat war ein wahrer Gewaltverbrecher. Er hat mehr
Menschen qualvoll umgebracht, als alle Banditen der Welt zusammengenommen.
Und das Merkwürdige dabei war: er fand in der Bevölkerung, die –
notabene! - im Fernsehen
keine Gewaltdarstellungen erlebte- immer so viel Henker- und
Folterknechte, wie er brauchte. Oder haben Sie, Herr Bundeskanzler, je gehört
oder gelesen, dass der Sowjetstaat seinen diesbezüglichen Bedarf
nicht decken konnte?
Das darf
nicht darauf zurückgeführt werden, dass die Russen gewalttätig sind.
Von Natur aus sind sie es nicht. Im Gegenteil: von Natur aus sind sie mitfühlend
und menschenfreundlich.
Aber man hat
ihnen eingetrichtert, dass der
Staat immer recht hat. Auch, wenn er mordet und foltert.
Man hat den
Russen auch eingetrichtert,
dass große Probleme, zum Beispiel das soziale Problem, nur durch
Gewaltanwendung zu lösen sind.
Das heißt dadurch, dass man die Reichen erledigt. Als Parasiten der
Gesellschaft. Und die irre geführten Russen gingen eifrig daran, die
„Parasiten“ zu eliminieren. Und als alle „Parasiten“ eliminiert
waren, auch andere Mitmenschen, die ins
Visier der Staatsmacht gerieten.
Erraten Sie,
Herr Bundeskanzler, wo der Matrjoschkin, Esq., hinaus will?
Ja, Sie
haben es erraten. Ich meine tatsächlich, dass es nicht geht, die Gewalt
selektiv zu verurteilen. Die fiktiven Gewaltszenen auf dem Bildschirm zu
verbieten, die Gewaltanwendung in der Realität zu
akzeptieren. Egal, welche
Zielsetzung sie hat. Ob die Lösung
der sozialen Frage (wie im Sowjetreich), oder die
Lösung der nationalen Frage (wie im Hitlerreich), oder – mille
Pardon! - den Schutz der
Zivilisation, wie unsere amerikanischen Freunde es verstehen.
Sie, Herr
Bundeskanzler, werden sagen, der Matrjoschkin spinnt. Aber meine
Weisheiten sind nicht auf dem eigenen Mist gewachsen. Mein Landsmann Lew
Tolstoi („Krieg und Frieden“ , „Anna Karenina“), ein
großer, riesengroßer Geist, predigte Gewaltlosigkeit bis zum
letzten Atemzug. Nun gut, wie wir wissen, hat seine
Predigt nicht viel genutzt, vor allem in seinem eigenen Lande
nicht. Sie, Herr Bundeskanzler, werden aber nicht sagen, Lew Tolstoi hätte
gesponnen. Das verbietet der Respekt vor der christlichen
Zivilisation, die Sie – zweifellos ganz ehrlich- gut beschützt
wissen wollen.
Übrigens
in einer Hinsicht hat mein
großer Landsmann doch nicht umsonst gepredigt. Ich meine seine vehementen
Attacken gegen die Todesstrafe, die er dem gemeinen Mord gleichstellte.
Auch diesbezüglich sagte die ganze damalige Welt: Der Alte spinnt. Jetzt
aber nimmt sogar
die EU, sicherlich kein Benediktinerkloster, keinen Staat
auf, in dem die Verbrecher hingerichtet werden. Warum darf man aber ganze
Völker zur Inkarnation des Bösen erklären und hinrichten (wie unsere
amerikanischen Freunde und Beschützer es ziemlich extensiv tun)?
Doch zurück
zum Mord in Erfurt. Ich nehme mir die Freiheit, die Vermutung
auszusprechen, dass der Täter
nicht so sehr von fiktiven Gewaltdarstellungen im Fernsehen inspiriert
wurde. Eher schon von der
Berichterstattung aus dem Irak, aus Jugoslawien
und Afghanistan. Da sah man
zwar kaum Leichen, dafür aber wurden die modernsten Mordinstrumente in
aller ihrer Pracht dargestellt. Und das Morden selbst als ein Feuerwerk,
ein Fest der bunten Lichter.
Ich glaube,
dass der Gymnasiast von
Erfurt diese
Botschaft wahrgenommen hat. Der Mordwaffenfan.
Damit schließe
ich meinen offenen Brief an Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler. Ich bin
müde geworden. Mein Kopf brummt.
Logo: für fünf lausige Euros konnte ich
kein anständiges Gesöff besorgen. Umso weniger, dass ich mit dem
Geld noch meine bescheidene закуска
bezahlen musste. Denn ich bin ein anständiger Mensch. Wenn ich
trinke, muss ich auch was essen. Was schönes. Am besten Dörrfisch. Aber
den treibt man in den deutschen Läden schlecht auf. Das sollen Sie, sehr
geehrter Herr Bundeskanzler, in Ordnung bringen. Sonst verweigere
ich Ihnen meine Stimme und gebe diese ihrem Rivalen, der mich an das
obengenannte Produkt positiv erinnert.
Mir vorzüglicher
Hochachtung,
Iwan
Matrjoschkin, Esq.
Berlin,
den 7.05.02.
------------------------
IWAN
MATRJOSCHKIN WOHNTE DER
BUNDESTAGSDEBATTE
ÜBER
DIE NATO- OSTERWEITERUNG BEI
Es
war eine überzeugende Bundestagsdebatte. Eine sehr überzeugende. Mit
vollem Recht stellten die Redner fest, dass sich die NATO
bewährt hat. Sie hat Europa Sicherheit, Stabilität und
wirtschaftliches Wohlergehen gebracht und
die schlimmen Absichten der
Sowjetunion vereitelt. Auch nach dem ersehnten Verschwinden des
Sowjetimperiums hat sich die NATO bestens empfohlen. Vor allem bei der
Hinreichung der Werte des Abendlandes wie Freiheit, Demokratie,
Rechtsstaat und freie
Marktwirtschaft weiter nach Osteuropa. Auch bildet
die NATO eine unverzichtbare Brücke zwischen Europa und den USA.
Und trotz mancher Unkenrufe erwies sich
die 1999 erfolgte
erste Runde der NATO- Osterweiterung als sehr erfolgreich.
Stimmt
alles haargenau.
Die
Kollegen des Bundestages redeten mit großem
Elan darüber. Zuerst wunderte ich mich, warum. Denn niemand
widersprach ihnen. Als ich aber wahrnahm, wie schnell sich die Sitzreihen
lichteten, verstand ich, dass der Elan
die Abgeordneten an ihre Plätze fesseln sollte. Leider
funktionierte es schlecht. Bald
waren im Saal nur
die Redner und ihre Gehilfen übrig geblieben.
Da
muss ich sagen, dass die
lieben Kollegen am Stammtisch in meiner Kneipe anders sind. Sie harren
bis zur Polizeistunde aus. Warum die lieben Kollegen vom Bundestag
die paar Stunden nicht sitzen können, weiß ich nicht. Vielleicht
haben sie ein dünneres Sitzfleisch? Oder weil sie ihren Durst an den angestammten Plätzen
nicht stillen können? Im Unterschied zu meinen Kneipenbrüdern?
Wenn
es so ist, habe ich dafür volles Verständnis. Auch mich
zog es die ganze Zeit zum Büffet.
Ich hielt nur aus ,
weil ich den Holzpuppen einen ausführlichen
Bericht versprach. Übrigens gegen ein sehr bescheidenes Honorar.
Vielleicht aber kriegen die MdB noch weniger? Dann sollte dem abgeholfen
werden. Sonst wird man den Laden bald schließen müssen.
Gott
sei dank, saß ich nicht im Plenum, sondern oben auf dem Balkon. Ich
wollte nicht auffallen. Ich wollte nicht, dass die Leute sagen, was für
ein Depp sitzt dort noch, obwohl alle bereits gegangen sind.
In
der Pause erinnerte ich mich
an Sitzungen des sowjetischen Parlaments, das der Oberste Sowjet hieß.
Da waren die Reihen fest
geschlossen. Kein einziger leerer Platz im riesigen Kremlsaal. Verständlicherweise.
Es gab im Obersten Sowjet mehrere Parlamentarier in Zivil, die genau
aufpassten, wer anwesend ist und wer unentschuldigt fehlt. Und wie ein Volksvertreter
sich verhält. Ob er an
einer unpassenden Stelle grinst, ob er sofort aufsteht, wenn es gilt,
Beifall zu klatschen und ob
er die vorgeschriebene Zeit die Hände bewegt. Und zwar kräftig genug.
Allerdings
zeigen auch die MdB, dass sie was von
Disziplin verstehen. Auch sie klatschten Beifall wie auf Kommando.
Aber jedes Mal
nur ein Teil der Anwesenden. Die anderen erholten sich inzwischen.
Im Obersten Sowjet war es anders. Da mussten die Abgeordneten unentwegt
klatschen. Und alle auf einmal. Ein unmenschliches Regime eben.
Auch
die Abstimmung erfolgt im Bundestag ganz anders. Im Obersten Sowjet wurde
durch Handzeichen abgestimmt. Die Hände erhoben sich wie in einer
Turnstunde. Ohne in den Saal zu blicken, verkündete der
Vorsitzende: “Einstimmig!“. Und nie hat er sich geirrt. Hier
aber muss Herr Thierse mühsam zählen.
Wozu?
Hiermit
fordere ich ihn auf, nachzudenken, ob die sowjetischen Erfahrungen nicht
übernommen werden sollten. Es hieß nicht umsonst, von der Sowjetunion
lernen heißt siegen lernen. Er als Ossi muss das wissen.
Abschließend
möchte ich sagen, dass die
MdB der hohen Verantwortung vor dem Wähler gerecht wurden. Nach einer
tiefen und umfassenden Erörterung des Problems billigten sie die NATO-
Osterweiterung. Verständlicherweise. Ich bin auch dafür.
P.S.
In der Debatte wurde
Russland kaum erwähnt. Auch das war richtig. Russland darf sich nicht
einbilden, die Tür der NATO
stehe auch ihm offen. Und auf ein Mitspracherecht
soll es sich auch keine Hoffnung machen.
Estland ist für
Europa viel wichtiger. Verständlicherweise.
25.4.02
Frohe
Ostern! Wünscht Ihnen Iwan Matrjoschkin, Esq.
Die
neuesten Nachrichten. Aus Russland.
In
den letzten Jahren haben 200 000 Wissenschaftler Russland ade gesagt. So
viel wie die Soldaten dreier Divisionen der russischen Armee.
In derselben Zeit erreichte die Zahl der Drogenabhängigen in
Russland 1.500 000. Das sind
viel mehr Divisionen als die ganze russische Armee Soldaten hat.
Beide
Zahlen sollten mir unter die Haut gehen. Gehen mir aber nicht. Unter
meine Haut gehen sie nicht.
Warum?
Weil es mich nicht juckt, was in Russland passiert?
Oh,
nein! Es juckt mich schon.
Aber
ich masse mir nicht an, eindeutig zwischen Gutem und Bösem zu
unterscheiden.
Auf
den ersten Blick ist es nämlich betrüblich, dass Russland von seinen
Wissenschaftlern im Stich gelassen wird. Auf den zweiten aber...
Vielleicht
kommen die Wissenschaftler mit neuem Wissen zurück. Und wenn nicht, dann
wachsen andere heran, die noch klüger sind. Und wenn nicht, wozu sind
für Russland so viele Wissenschaftler überhaupt gut?
Wenn
sie alle nützliche Arbeit leisten können, dann OK.
Sonst aber erfinden sie neue
Bomben. Das ist nicht OK.
Die
Erfahrung sagt mir, dass die
Zahl der Wissenschaftler in Russland mit der Entwicklung neuer Bomben
irgendwie Schritt hält. Ob das Eine oder das Andere die letzte Ursache
ist, weiß ich nicht, wie ich auch nicht weiß, was zuerst war, die Henne
oder das Ei. Ich will aber keine Henne und
kein Ei. Sollen sich die anderen, nicht die Russen, mit der Henne
plagen. Und mit dem Ei.
Und
die Drogenabhängigen. O ja. Schlimm. Was tun? Alle einlochen?
Und behandeln? Wissend, das hilft nicht.
Ach
was. Warum sich mit ihnen rumschlagen, wenn es nicht hilft. Wir nehmen ja
hin, dass die Sonne allmählich erlischt. Und tun nichts dagegen. Weil wir
nichts dagegen tun können.
Was
nicht abwendbar ist, muss man hinnehmen. Ruhig und gefasst.
Also
bleibe ich ruhig. Trotz der Liebe zu Russland. Und trotz des Exodus der
russischen Wissenschaftler und der Vermehrung der Drogenabhängigen in
Russland.
Was
mir unter die Haut geht, ist das Wetter.
Ich bin richtig glücklich, wenn es im März warm ist. Und richtig
unglücklich, wenn es im Mai kalt ist.
Ich liebe Wärme.
Und
was ist angenehmer als ein Osterspaziergang beim schönen Wetter, das
einen heiter und zukunftsfreudig stimmt. Weil man weiß, jetzt wird es
immer wärmer. Trotz eventueller Wetterrückschläge. Und trotz der eigennützigen
Wissenschaftler und sich vermehrender Drogenabhängiger.

Und wenn ich auf dem Spaziergang noch von einem guten Kameraden begleitet
werde...Und wenn ich in der Manteltasche noch den Flachmann habe... Ja,
dann ist mein Glück perfekt und alles andere mir ganz schnuppe.
Frohe
Ostern allerseits! Wünscht Iwan Matrjoschkin, Esq.
29.3.02
IWAN
MATRJOSCHKIN, ESQ., IST ZUVERSICHTLICH !
Die
in Berlin erscheinende russischsprachige Zeitung Europa- Express brachte
einen seltsamen Bericht aus Bonn. Wenn er stimmt, wird am 27. Juni d. J.
im früheren
Sitzungssaal des Bundestages ein Spektakel inszeniert. Es soll eine
Sitzung des Bundestages in Berlin nachgespielt werden, in der die am
Happening beteiligten Schauspieler die realen MdB,
ihre Worte in den Mund nehmen und ihre Mimik und Gestik
nachäffen.
Das
matrjoschka-team findet das Affentheater höchst
unangebracht.
Nach unserer Meinung ist es geeignet, das hohe Ansehen des deutschen
Parlamentarismus zu beschädigen. Insbesondere angesichts
der jüngsten Kontroverse im Bundesrat über das neue Ausländergesetz,
die angeblich nach einem vorher verfassten Drehbuch abgewickelt
wurde.
Wir,
die Holzpuppen, fragen uns, wo kommen wir
hin, wenn es so weiter geht.
Wir
baten unseren Experten für politische Korrektheit, Iwan Matrjoschkin,
Esq., darauf einzugehen. Er
hat das Wort:
An
sich ist eine gewisse
Theatralisierung der öffentlichen politischen Vorgänge nichts Neues.
Ihre, bis jetzt höchste
Stufe erreichte sie in der
ehemaligen Sowjetunion. Bekanntlich war es ein perfektes und umfassendes
politisches Theater der Weltgeschichte. Seine Vorführungen füllten den
ganzen virtuellen Raum des riesigen Landes. Tagtäglich wurde etwas
vorgespielt. Blühende Landschaften vor dem Hintergrund von Ruinen. Eine
sozialistische Wirtschaft vor dem Hintergrund grenzenloser Ausbeutung.
Überfluss vor dem Hintergrund
leerer Geschäfte. Mitbestimmung vor dem Hintergrund
der Funktionärswillkür. Wohin man auch blickte, schöne
potemkinsche Dörfer.
Den
Höhepunkt der unentwegt ablaufenden Happenings bildeten die Sitzungen des
sowjetischen Parlaments, das Oberster Sowjet hieß. Jeder Auftritt in
diesem Theater erfolgte nach einem vorgefertigten Szenario und unter
strenger Regie. Jedes Wort von der Tribüne war vorher aufgeschrieben und
von der Obrigkeit genehmigt. Die Zuhörer und Zuschauer, erst recht die
Parlamentarier, wussten vorher, an welcher Stelle der jeweiligen Rede sie
klatschen sollten und wie lange. Auch
Pfuirufe, wenn es um die scheinheilige westliche Demokratie und die
Politik des Westens ging, waren sorgfältig in die Handlung eingearbeitet.
Die
Abstimmung erinnerte an Körperertüchtigung. Nach dem Wink vom Podium
erhoben sich alle Hände auf die Sekunde genau in
vorgeschriebene Höhe. Eine wahrlich beeindruckende, sogar
berauschende Manifestation der Einmütigkeit
der Volksvertreter.
Die
Aufführungen auf der parlamentarischen Ebene kamen der Sehnsucht der
Menschen nach Eintracht
entgegen. Aber es wurde auch einem anderen Verlangen
entsprochen. Dem Verlangen nach Bestrafung des Bösen.
Das
war Sache der Rechtsprechung.
In
einem Gerichtssaal
erlebten die Zuschauer einer Gerichtsverhandlung
jenen heilenden und läuternden
Zustand der seelischen Erschütterung, der in der Antike
Katharsis genannt wurde.
Wohl
überflüssig zu sagen, dass auch hier die Rollen rechtzeitig verteilt,
jedes Wort der Ankläger, Verteidiger und Richter, aber auch der
Delinquenten vorher festgelegt und eingeübt wurde. Und besonders wichtig,
auch das gerechte Urteil stand lange vor der Verhandlung fest.
Natürlich bildete es den Höhepunkt des erhebenden Schauspiels,
insbesondere wenn es auf
Genickschuss hinausging.
Alles
in Allem ein Ersatz fürs abgeschaffte Christentum. Und dass die
Stelle des Erlösers ein wahngepeinigter alter Georgier Dshugaschwilli
einnahm, störte nicht besonders. Obwohl er, wie manche Zeitgenossen
bezeugten, die Allüren und den Wortschatz eines Tbillissier Penner
behielt, der er mal gewesen.
In
der ehemaligen DDR galt der Grundsatz, von der Sowjetunion lernen, heißt
siegen lernen. Nun, nicht in jeder Hinsicht traff es zu, räume ich, Iwan
Matrjoschkin, Esq., ein. Die Wirtschaft funktioniert im Kapitalismus viel
besser. Das schmecke ich , wenn ich in einer Berliner Kneipe mein Bierchen
bestelle. Gesetzt den Fall, die verdammten Weiber vom matrjoschka- team
verweigern mir nicht mein sauer verdientes Geld.
Aber
in der Gestaltung des virtuellen Raumes kann sich die Bundesrepublik von
der ehemaligen Sowjetunion tatsächlich eine dicke Scheibe abschneiden.
Das Spektakel, das manch eine Institution hier dem Publikum bietet, mutet
im Vergleich wie ein Laienspiel an. Leider.
Dennoch
darf man daraus keine für unser Gastland unvorteilhafte
Schlussfolgerungen ziehen. Trotz alledem ist es ein herrliches Land. Und
was hier noch nicht ganz in
Ordnung ist, wird mit der Zeit perfekt. Ich, Iwan Matrjoschkin, Esq,
glaube fest daran. Ich bin zuversichtlich!
26.03.02
IWAN
MATRJOSCHKINS, ESQ. , BERICHT VON EINER WICHTIGEN PK.
Sie
fand im Berliner Hotel „Adlon“ statt und galt
einem Treffen zwischen Deutschland (BM Scharping), NATO
(Generalsekretär Robertson)
und der Ukraine (Außenminister
Slenko und
Verteidigungsminister Shkidchenko) über die Zusammenarbeit in der sich
verändernden Sicherheitssituation. Angesichts der hochkarätigen
Besetzung und der Bedeutsamkeit des Treffens wollten die Puppen
mehrheitlich nicht, dass der Esquire hingeht. Er versprach aber heilig: 1.
Die Teilnehmer nicht mit
Freundschaftsbekundungen zu nerven. 2. Falls Hochprozentiges gereicht
wird, Abstinenz zu üben.
Aus
dem „Adlon“ zurück, wurde I.M.,Esq. von der im Konzern "matrjoschka-online"
diensthabenden Puppe
einem scharfen Verhör unterzogen.
Wie
war es?
I.M.
machte ein saures Gesicht.
Warum?
Galuschki...*
?
Gab
es nicht! Auch Gorilka...**
?
Gab
es nicht!
Was
gab es denn?
(Schluchzend)
Säfte und Mineralka.
Zur
Sache! Worüber wurde gesprochen?
Esq.
machte ein klägliches Gesicht.
?
Es
wurde Englisch gesprochen!
Ukrainer
und Deutsche sprachen in Berlin Englisch?
!!
(Nachdenklich)
Eigentlich sollten in Berlin die Ukrainer ukrainisch und die Deutschen
deutsch sprechen...
Esq.:(Lebhaft)
Kennst Du den?
?
Wodurch
unterscheidet sich ein Bayer von einem Türken?
?
Ein
Türke kann Deutsch!
Willst
Du etwa sagen, die Ukrainer können kein Ukrainisch?
Esq.
enthielt sich der Antwort.
Also
nichts verstanden?
Doch!
Wie
denn? Mit Deinen Englischkenntnissen!
Ich
habe gezählt...
?
Wie
oft das Wort „russian“ fiel...
?
37
Mal. Und das Wort „ukrainian“...19
Mal!
Warum
wurde so viel über Russland gesprochen?
Danger...
Die
russische danger? Haben sich denn die Ukrainer darüber beklagt?
No!
(Lebhaft) Wir sind ja friedlich. (Die Faust vorstreckend) Die chochly***
wissen es! Seit Peter dem Grossen...
Dass
ich das hässliche Wort nicht mehr höre, - sagte
-
Also haben sich unsere ukrainischen Brüder nicht über uns beklagt. Das
ist nett. Wer hat dann über russische danger für die Ukraine gesprochen?
Die
deutschen Kollegen! Sie fragten, ob die Ukrainer sich von Russland bedroht
fühlen, sehr hartnäckig...Aber die Brüder blieben standhaft.
Von
wem werden sie dann bedroht?
Von
nobody, sagten sie.
Warum
wollen sie dann in die NATO?
Wegen
civilisazion and culture! Sagten sie.
Ist
aber kein Kulturverein... Hat man sonst über Probleme mit danger
gesprochen?
Hinter
verschlossenen Türen, -sagte Esq. gewichtig.
Woher
weißt Du das?
Matrjoschkin
griff sich an die dicke Nase.
Worin
bestehen die Probleme?- insistierte

Das
sind Sprachprobleme, erklärte Esq.-
Die Cho... Pardon! Die
Ukrainer sagen „Westukraine“, die Polen „Ostpolen“. Und so geht es
weiter. Mit Ungern, Rumänen , alle sieben Nachbarn haben mit den
Ukrainern Sprachproble.
Wann
haben sich die Ch..., das heißt die Ukrainer, die Gebiete der
Nachbarn eingeheimst?
Als
sie in der Sowjetunion unterdrückt wurden, - sagte Matrjoschkin
grinsend.- Teils unmittelbar vor dem großen Krieg, als Stalin mit
Hitler paktierte. Teils unmittelbar nach dem großen Krieg, als
Stalin mit Churchill und Roosevelt paktierte.
Du
kennst dich aber gut aus in der Weltgeschichte, sagte anerkennend

Mit
den Russen haben die Ukrainer ein orthographisches Problem, - setzte der
geschmeichelte Matrjoschkin fort. - Wir schreiben „Крым“,
sie aber „Крiм“.
Wann
haben sie denn die Halbinsel gekriegt ?- fragte die Besenpuppe.
In
den sechziger Jahren, - antwortete der sachkundige Matrjoschkin. – Als
Geschenk zum 300. Jahrestag der Rückkehr ins Reich. Von Nikita
Chruschtschow, der damals uns alle regierte. Selbst ein halber Cho...
Pardon, Ukrainer- hat er sich mit der Gorilka vollaufen lassen, als er
denen die Krim schenkte. Der
elende Säufer!
Ausgerechnet
Du machst ihm den Vorwurf ... Wollen denn die Russen das Geschenk zurück?
Iwan
Matrjoschin, Esq., drückte seinen dicken Finger an seine dicken Lippe und
flüsterte, wie es die Russen tun: Tsss... Dann sagte er: „Wenn wir in
der NATO sind, lässt sich
darüber reden. Warum denn sollen die... Ukrainer
unser Erholungsparadies behalten? Von unserem Fürsten Potjomkin,
dem Feldherrn unserer deutschen Zarin Katarina, den Beschnittenen
abgetrotzt?
Hm!-
sagte
Und
wenn die Polen, die Ungarn, die Rumänen auch... Was bleibt dann von der
Ukraine?
Mehr
als genug! - sagte Matrjoschkin missgünstig. - Aber so weit kommt es wohl
nicht. Mein Freund...
zeigte dem Esquire ihren Besen...
...
seine Lordschaft, - setzte Iwan unbeirrt fort, - würde schon alles
regeln. Er hat sich übrigens
in der PK wieder von seiner besten Seite gezeigt: jovial, liebenswürdig,
witzig. Ein anderer Prominenter...
drohte
wieder mit ihrem Besen...
schluckte den Namen herunter :- gab sich dagegen etwas verkrampft und
besorgt und weigerte sich, eine indiskrete Frage nach der Bundeswehr
in Afghanistan zu beantworten...“
Trotzdem
ist er ein Mann von Format, -sagte
.
- Ich träume davon, einmal mit ihm baden zu dürfen. Aber Schwamm drüber...
----
*Ukrainische
Teigtaschen, sehr bekömmlich. Gut gemacht, springen sie nach dem Zeugnis
des großen russischen Dichters ukrainischer Abstammung, N.W.Gogol, selbst
in den Mund.
**Ukrainischer
Wodka. Es empfiehlt sich die Sorte mit einer Paprika- Schote in der
Flasche.
***So
nennen die Russen die Brüder am Dnjepr, wenn sie das andere große
slawische Volk erniedrigen wollen. Das matrjoschka-team will es nicht.
5.3.02
OFFENER BRIEF ANS NORWEGISCHE KÖNIGSHAUS
VON
IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ.
Eure
Majestät!
Mit großer
Genugtuung habe ich, Iwan
Matrjoschkin, Esquire, erfahren, dass in
Oslo der Gedanke reift, dem Nobelfriedenskomitee nahe zu legen, den
fälligen Friedenspreis an den Präsidenten
der USA, George W. Bush zu verleihen. Damit
soll das umsichtige, menschenfreundliche, aber auch entschlossene
Vorgehen des Präsidenten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus,
den gemeinen Anstifter des neuartigen Krieges, gewürdigt werden.
Davon
ausgehend, dass Sie meine prinzipienfeste Haltung in weltpolitischen
Fragen und die Verehrung, die ich der derzeitigen USA-Führung
entgegenbringe, kennen und im Vertrauen darauf, dass Ihnen
meine innige Beziehung zum
Herrn NATO- Generalsekretär Lord Robertson of Port Ellen, sowie dem
russischen Präsidenten W.W. Putin nicht verborgen blieb, erspare ich
Eurer Majestät weitere Ausführungen zu diesem Gegenstand. Nur eins: die
Urheber der Demarche können voll mit meiner tätigen Unterstützung
rechnen. Ich bin entschlossen, alles in meinen Kräften stehende zu tun,
damit Herr Präsident Bush die wohlverdiente Auszeichnung erhält.
Ich will
aber vor Ihnen nicht verheimlichen, dass die hochlobenswerte Initiative
der norwegischen Adelsleute in meiner, auch in der Fremde russisch
gebliebenen Seele gewisse
nostalgische Gefühle weckt. Warum?
Weil in
meinem Ursprungsland Russland der Friedensgedanke stets hochgehalten
wurde. Uns damaligen Sowjetbürgern lag der Weltfrieden sehr am Herzen.
Von früh und bis spät, alle 365
Tage im Jahr, hatten wir
gegen die Kriegsbrandstifter zu kämpfen.
Es war
unsere erste Bürgerpflicht.
Daran
erinnerten uns unsere Führer bei jedem Anlass. Besonders aber wenn wir ein bisschen aufmuckten. Wenn wir über die Wohnungsnot, ungenießbare Wurst oder zu teuren
Wodka meckerten (mich persönlich traf das letzte Ungemach besonders
hart). Dies alles seien Bagatellen, hörten wir auf Schritt und Tritt.
Die Hauptsache, dass der Frieden
erhalten bleibt. Dank der Stärke und der Kampfeinsätze
unserer glorreichen Streitkräfte, die jeden samt der näheren und
weiteren Umgebung auf die Birne schlagen, der es wagt, den Frieden zu
bedrohen.
Gottlob
verstanden unsere Führer die Dialektik der friedenserhaltenen Tätigkeit.
Dass nur derjenige Frieden schaffen kann, der dauernd Krieg führt.
Jetzt frage
mich, woher hat der zukünftige Nobelfriedenspreisträger die edle
Friedensgesinnung? Die Werke des
Generalissimus Stalin, der
uns immer den Friedenskampf bis
zum letzten Tropfen Blut predigte, hat er bestimmt nicht studiert.
Wie ich auch nicht glaube, dass er die Mühe auf sich nahm, die
Reden von Stalins Nachfolger
zu studieren, die im Sinne des weisen Lehrers handelten.
In der DDR 1953, in Ungarn 1956, in
Tschechien 1968, auch in Afghanistan von 1979 bis 1988.
In dem
Zusammenhang könnte ich fragen, warum denn die dem Präsidenten Bush
bevorstehende Anerkennung den
sowjetischen Staatsmännern versagt blieb? Warum wurde keiner von ihnen in
Oslo als Friedensheld gefeiert und durfte sich ein Milliönchen in die
Tasche stecken? Das finde ich ungerecht, Eure Majestät.
Erst Michail
Gorbatschow wurde die Ehre zuteil. Ausgerechnet ihm, der
Panzer nur in den eigenen Grenzen
und nur gegen eigene Ruhestörer in Bewegung setzte. Keine Friedenseinsätze
in der weiten Welt!. Der Feigling!
Aber ich
glaube, ich bin vom eigentlichen Thema weit abgeschweift. Das passiert mir
immer, wenn ich Durst habe. Und ich habe ständig
Durst, weil die matrjoschka- Weiber geizig sind.
So
muss ich wohl meinen Brief an Eure Majestät abschließen. Bevor ich mich
aber von Ihnen verabschiede, bitte ich Sie, dafür zu sorgen, dass ich zum
Festessen anlässlich der Verleihung des fälligen
Nobelpreises an den
hochgeehrten US- Präsidenten eingeladen werde. Denn ich trinke das dänische
Bier gern und nehme an, das norwegische ist auch nicht von Übel.
Ergebenst,
I.
Matrjoschkin, Esq.,
Diener
Eurer Majestät.
P.S.
Da fällt mir noch etwas ein. Einmal wurde im Kreml die Frage diskutiert,
wer denn der größte Feind des Sowjetvolkes ist. Die USA? Nein, sagten
die Teilnehmer der internen Beratung. Die USA nicht. Sie sind zwar stärker
als die SU, aber es kommt nicht darauf an. Auch wenn sie uns besiegen, ist
es nicht so schlimm. Denn dann werden sie uns ernähren müssen. Und dafür
reichen ihr wheat und pork
und was sie sonst noch an Essbarem haben nicht.
Wer
sind also unsere gefährlichsten Feinde? Die Chinesen! Die sind schwach.
Wir werden sie besiegen müssen und nach dem Sieg
ernähren. Wer kann aber die Chinesen ernähren, ohne selbst den
Hungertod zu sterben?
Warum
teile ich Ihnen, Majestät,
die Parabel mit? Damit Sie den amerikanischen Freunden einschärfen,
die Schwarzarschigen nicht einfach zu jagen, sondern möglichst auch zu
vernichten. Sonst werden wir alle sie ernähren müssen.
Nein,
bitte nicht. Auch jetzt muss ich hart um mein Überleben kämpfen. Mit den Weibern des matrjoschka- teams.
Um meine flüssige Nahrung. Was würde
mir erst blühen, wenn wir die zwei Milliarden
Muslime zu unseren Kostgängern zählen?
I.M., Esq.
EIN
OFFENER BRIEF VON IWAN MATRJOSCHKIN. ESQ.,
AN
USA- PRÄSIDENT GEORGE W.BUSH
Глубокоуважаемый
господин
президент,
erlauben
Sie mir bitte, meine zutiefst empfundene Dankbarkeit
zum Ausdruck zu bringen. Ich meine hiermit speziell Ihren Befehl an
die in Afghanistan für die westlichen
Werte und die Sicherheit all unserer Länder kämpfenden
US- Bomberflieger, für jeden versehentlich
getöteten zivilen
Afghanen den Hinterbliebenen
1000 USD zu zahlen.
1000 USD
sind viel Geld. Auch ich möchte sie gern haben. Leider habe ich keine
Verwandten in Afghanistan. Sonst hätte ich hoffen dürfen, dass
einer von diesen von
einer Bombe erwischt wird. Dann wäre mir die Prämie sicher. Mit 1000 USD
könnte ich in den nächsten drei Jahren täglich in meiner Kneipe ein
Bierchen genießen, ohne mich vor den verdammten Weibern
aus dem matrjoschka- team mit Betteln erniedrigen zu müssen.
Vielleicht
hätte ich nur die Hälfte von der Prämie haben wollen, die andere Hälfte
aber in die US- Kriegskasse gespendet.
Schließlich kostet der Einsatz der US-Air- Force etwas. Eine Milliarde
Dollar pro Tag, habe ich gehört. Es zeugt tatsächlich von einer
umwerfenden Großzügigkeit, diese gewaltigen Ausgaben noch durch die oben
erwähnte Geberfreudigkeit zu
vermehren. Vielleicht sollten Sie es lassen? Umso mehr, dass ich, wie
gesagt, niemanden in Afghanistan habe
und deshalb auf die Prämie nicht hoffen darf.
Russland wäre
was anderes. In Russland habe ich einige Verwandte. Würden Sie die Bomber
nach Russland schicken, hätte ich hoffen dürfen. Auch in Deutschland
habe ich inzwischen ein paar verwandte Kreaturen, deren Verlust
ich leicht
verschmerzen würde. Bitte berücksichtigen
Sie das, Mister Präsident, in Ihrer langfristigen Planung des
Krieges gegen den Terror.
Sincerely,
I.Matrjoschkin, Esq.
Geschrieben
am 5.2.02 in der Kneipe „Unter dem Sternenbanner“ in
Prenzlauer Berg zu Berlin.
DER LETZTE APPELL:
IWAN
MATRJOSCHKIN, ESQ. APPELLIERT AN DIE WELTÖFFENTLICJKEIT :
DIE
AMIS FÜHREN EUCH ALLE AN DER NASE HERUM!
Liebe
Weltöffentlichkeit,
Du
machst Dir über das Schicksal der Afghanen, die aus den heimatlichen
Bergen auf einen USA- Stützpunkt auf
Kuba gebracht worden sind, schlimme Gedanken. Die Afghanen sollen in
Ketten geschlagen sein und gefoltert werden.
Quatsch!
Ich
will meine Quellen nicht verraten (ich habe es Lord Robertson von Port
Ellen, meinem Freund und Wohltäter, ausdrücklich versprochen), nur
soviel:
Die
gefangengenommenen afghanischen Terroristen sind bestens untergebracht.
Jeder hat eine zwar kleine, aber gemütliche Wohnung. Die Verriegelung der
Türen und Vergitterung der Fenster dient nur einem einzigen Zweck. Die Gäste
der USA- Regierung vor eventuellen Zugriffen
der kubanischen Kommunisten zu schützen. Also ihre Freiheit zu bewahren.
In
den Wohnungen gibt es künstliches Klima; und wenn die Geräte mitunter
falsch funktionieren, indem sie nicht kühlen, sondern heizen
(bei den aktuellen Temperaturen auf Kuba eine reine
Stromverschwendung), dann nur weil die Amis so großzügig sind: zuviel
des Guten.
Es
wird verbreitet, die Afghanen werden geschlagen. Meine Quelle hat das
nicht bestätigt. Sie räumte aber ein, auf dem USA-Stützpunkt werden
ab und zu Boxmeisterschaften ausgetragen. Möglich, dass auch ein
Afghane - auf Wunsch, nur auf Wunsch !- daran teilnimmt. Sicherlich
boxen die Amis besser,
was können sie aber dafür?
Es
wird verbreitet, die Afghanen sind in Ketten. Ja, aber die sind nur aus
Pappe! Und werden nur zu Fototerminen angelegt!
Es
wird verbreitet, sie müssen die orangefarbene Kluft
der Todgewehten tragen. Ja, aber wie fein diese geschneidert ist! Von
Armani!
Um
die freie Zeit der Afghanen
angenehmer zu gestalten, haben die Amis ihnen vorgeschlagen, in
allen Räumen USA- Fernsehen zu installieren. Die sturen
Schafhirten haben aber abgelehnt! Sie sagten, das sei die schlimmste
Folter! Aus demselben Grund wollten sie auch das deutsche Fernsehen nicht
haben.
Jetzt
ist ein Laienorchester im
Gespräch. Ein schnellstens herbeigeholter Experte
für Freizeitgestaltung unter besonderen Verhältnissen billigte
das Vorhaben. Er erinnerte daran,
dass es in Auschwitz auch einen Gefangenorchester gegeben hätte.
„Sollt ihr weniger großzügig sein, als wir es waren?“ fragte er, als
er darauf hingewiesen wurde,
dass die Afghanen kein
Saxophon spielen können. „Beschafft ihnen Geigen!“.
The
frends waren entzückt. „Ihr Krauts lasst Euch immer was tolles
einfallen“, sagten sie. Die Geigen werden gesucht. Da es nur echte
Stradivaris sein sollen, dauert es mit
dem Orchester noch ein Weilchen.
Zum
Punkt Verpflegung, die angeblich wenig abwechslungsreich ist, wurde mir
aus sicherer Quelle verraten, die Afghanen sind zu wählerisch. Fastfood
lehnten sie ab: sollen die Deutschen es fressen, haben sie gesagt.
Cola
wollen sie auch nicht. Sie wollen Stutenmilch. Da ihnen jeder Wunsch von
den Lippen abgelesen wird, diskutiert man jetzt im Pentagon darüber, wie viele Stuten und woher gebracht werden sollen. Nach
vertraulichen Infos habe Präsident Bush angeboten, ein paar von
seiner Ranch abzugeben. Auch eine Lieferung von Brezeln, die ihm so gut
schmecken. Was wollt Ihr noch?!
Das
ganze Geheule um die Afghanen ist
dämlich. Die verdammten Schwätzer von Amnesty International u.s.w. müssten
sich die Frage stellen „Wem nutzt es?“. Nur der CIA, die will, dass
die ganze übrige Welt aus Angst vor den USA in die Knie geht!
Eine
typische Rechnung ohne Wirt. Denn alle aufgeklärten Menschen wissen, was
sie von der Menschenfreundlichkeit der USA zu halten haben. Deswegen
lassen sie sich nicht von fingierten Meldungen und gestellten Fotos
beeindrucken. Die CIA hat sich wieder verrechnet!
Matrjoschkin,
Esq.
1.GESPRÄCHE
Volker ahnt die Signale!
I.MATRJOSCHKIN, ESQ.,
INTERVIEWT EINEN DEUTSCHEN POLITIKER.
Vorwort des
Interviewers
Unter den deutschen
Politikern geniesst einer meine besondere Hochachtung. Nicht nur wegen
seiner grossen Verdienste im Bereich der Verteidigung meines geliebten
deutschen Vaterlandes (zwar stammte mein Vater nicht aus Deutschland, aber
egal). Es gibt noch etwas, was ihm meine besondere Hochachtung sichert. Er
ist nämlich ein alter und guter Freund des Herrn Robertson, Lord of Port
Ellen. In einer Veranstaltung in Berlin, der ich beizuwohnen die grosse
Ehre gehabt habe, versicherte er in sehr bewegten und ausdrucksvollen
Worten den Lord, seine Tätigkeit, vom Geist der Freiheit, Demokratie und
Friedensliebe durchdrungen, hochzuschätzen. Und Lord Robertson blieb ihm
nichts schuldig. Auch er rühmte, trotz des sprichwörtlichen britischen
Hangs zu Understatements, das frühere und gegenwärtige Wirken des Herrn,
vor allem seinen Beitrag zur transatlantischen Zusammenarbeit.
Als ich mir das alles
anhörte, stellte ich mir vor, wie Herr Rudolf Scharping, wäre er im
Versammlungsraum gewesen, sich vor Neid in die Lippen gebissen hätte.
Dann aber besann ich mich darauf, dass in Deutschland auch zwischen in
einigen anderen Fragen zerstrittenen Politiker in der Einstellung zur NATO
totale Harmonie herrscht.
Aber zurück zum
Herrn, den ich verehre, weil er ein treuer Freund des Lord Robertson
ist. Nach dem Motto "Der Freund meines Freundes ist auch mein
Freund". Meine warmen Gefühle zu ihm sind so stark, dass ich
manchmal von ihm träume. Und dann erscheint mir seine kräftige Gestalt,
sein bulliges Gesicht und ich höre seine rauhe Stimme, die Stimme eines
geborenen Feldherrn. Obwohl er ein Zivilist ist, da in einem
demokratischen Staat (im Unterschied zu Russland) ein
Verteidigungsminister nur ein Zivilist sein darf.
Wie meine Bewunderer
bereits wissen, erlebe ich ab und zu (die Häufigkeit hängt von Zahlungen
aus dem Honorarfond des Matrjoschka-Online-Konzerns ab) Zustände, wo der
Traum und die Realität sich vermischen. Deswegen kann ich nicht mit gebührender
Sicherheit sagen, ob das folgende Interview mit dem hochgeachteten Mann
tatsächlich stattfand. Aber egal. Wir haben im Konzern eine Dame, die
alle Veröffentlichungen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Und die Überprüfung
meines Textes ergab, die Gedankengänge meines (erträumten?) Gesprächspartners
stimmen. Also bringen wir das Interview.
DAS INTERVIEW:
Ich: Wo sehen Sie
bitte die Schwerpunkte deutscher Sicherheitsinteressen?
Er: Es gibt viele –
und es werden immer mehr. Einer liegt im Kaukasus.
Ich: Wer bedroht uns
im Kaukasus? Nicht etwa die Tschetschenen?
Er: Ach wo... Im
Gegenteil: Russland.
Ich: Russland. Immer
wieder Russland. Der notorische Störenfried! Womit bedroht es uns im
Kaukasus?
Er: Russland
behauptet, es läge ihm mehr als anderen Ländern am Kaukasus.
Ich: Auch als
Deutschland?
Er: Eben!
Ich: Perfid... Wollen
die Russen etwa das Vorzugsrecht geniessen, in Sotschi zu baden und auf
den Elbrus zu steigen?
Er: Es geht um viel
mehr: um kaspisches Erdöl.
Ich: Ist das Erdöl
so wichtig?
Er: Und ob. In der
Zukunft. Wenn die Quellen in der Nordsee ausgeschöpft sind. Dann können
wir nicht umhin, am Kaspi kräftig zuzugreifen. Auch und vor allem die
Briten.
Ich: Aha, Lord
Robertson of Port Ellen lässt grüssen...
Er: Lord Robertson
steht über den nationalen Interessen. Er ist ein Hüter der Solidarität
der freien Welt..
Ich: Zweifellos.
Selbstverständlich. Was unternimmt denn Russland, was unsere Existenz gefährdet?
Er: Es schmiedet die
Achse Moskau- Jerewan-Teheran. Also, Russland- Armenien- Iran... Wenn noch
das labile Georgien dazukommt, wie holen wir dann das kaspische Erdöl?
Ich: Wie hartnäckig
klammert sich Russland an den Kaukasus, das ist tatsächlich empörend!
Die Macht der Gewohnheit... Immerhin sind es dreihundert Jahre, die es uns
aus den Gebirgen bedroht!
Er: Höchste Zeit,
der Bedrohung ein Ende zu setzen.
Ich: Wird wohl nicht
ganz einfach sein. Mehrmals versucht, da kam aber immer etwas
dazwischen...
Er: Jetzt kommt
nichts dazwischen.
Ich: Ein mächtiger
deutscher Schlag auf den Tisch?
Er. Wo denken Sie
hin, Esquire? Verhinderung einer humanitären Katastrophe! Zusammen mit
den Verbündeten.
Ich: Wie in Kosovo?
Er: In etwa.
Ich: Bomben? Krieg?
Er: Friedenseinsatz.
Ich, in Erinnerungen
schwelgend: Friedenskampf, den wir so lange führen, bis alles aus ist.
Er: Sie vergessen
sich, Esquire!
Ich: Tut mir leid.
Entschuldigung. Grüssen Sie bitte Lord Robertson.
Anm. von I.
Matrjoschkin: Seitdem das Gespräch stattfand, sind einige Monate
vergangen. Und heute muss ich mit grossem Bedauern feststellen, dass die
Äusserungen meines Gesprächspartners nicht gerade von seiner
Weitsicht zeugten. Denn es hat sich inzwischen herausgestellt, der
Schwerpunkt der deutschen Interessensphäre liegt nicht im Kaukasus, wie
er behauptete, sondern in Afghanistan. Und Russland, das für Deutschland
eine akute Bedrohung darstellen sollte, erwies sich inzwischen als ein
Retter der zivilisierten Welt. So leicht irrt man sich eben, wenn man
ehrlich ist...
2.TRÄUME
3.REPORTAGEN
VADIM RABINOVICH, VON
IWAN MATRJOSCHKIN
BEOBACHTET UND
BEWUNDERT
Im Literaturhaus zu
Berlin trafen sich zahlreiche Vertreter der deutschen und ausländischen
Presse mit einem der reichsten Geschäftsmänner der Ukraine, Vadim
Rabinovich. Anlass war das Erscheinen von Rabinovichs Vita aus der Feder
des Bestsellersautors Jürgen Roth unter dem Titel "Der Oligarch".

"Matrjoschka-Online"
war bei der Buchpräsentation durch Iwan Matrjoschkin vertreten. Nach
seiner Rückkehr ins Redaktionshaus musste er dem Kollektiv Rede und
Antwort stehen.
Wie gefiel Dir der
Oligarch Rabinovich?- wurde er gefragt.
Ein prima Bursche.
Ein Rothschild, wie er leibt und lebt, antwortete Matrjoschkin.
Wo hast Du denn einen
Rothschild gesehen?
Nirgendwo. Jetzt
weiss ich aber, was ein Rothschild ist. Und wie er spricht. So wie Vadim
Rabinovich.
Wie spricht er denn?
Selbstbewusst, klug
und witzig. So wie Vadim Rabinovich
An der Stelle
schnupperte eine Matrjoschka die Aura von I. Matrjoschkin und sagte
vorwurfsvoll: Matrjoschkin hat wieder einmal der Versuchung nicht
widerstehen können. Er kam blau aus dem Literaturhaus.
Was?- empörte sich
Matrjoschkin.- Ich bin blau? Hast Du mir etwa ein Glas Wodka spendiert?
Ich nicht,- sagte die
matrjoschka. – Vielleicht aber Herr Rabinovich?
Denkste, Puppe,
-sagte I.M.- Nichts gab es. Ausser dünnem Kaffee und Orangensaft.
Und jetzt bist du
sauer?
Keinesfalls, -sagte
Matrjoschkin.- Ich verstehe, dass es kein Geiz, sondern die Routine eines
Milliardärs ist. Er ist gewöhnt, seine Spendabilität in Grenzen zu
halten. Wie kommt er sonst zu seinen Milliarden? Jahrelang eisern sparen.
Pfennig zu Pfennig legen- so und nur so entstehen grosse Vermögen.
Tatsächlich?- sagte
düster eine kommunistisch verseuchte matrjoschka. – Dann rate ich auch
dir, dich in Sparsamkeit zu üben. Wandere abends nicht mehr von einer
Kneipe zur anderen, sondern geh schnurstracks nach Hause, ins Bett. Und
melde es mir, wenn du deine erste Milliarde zusammengespart hast. Dann
pumpe ich dich an.
Zwecklos,- sagte
I.M.- Als Milliardär muss ich erst recht geizig sein. Herr Rabinovich
unterhält z.B. mehrere Zeitungen in der Ukraine, kannst du dir
vorstellen, was das kostet?
Warum tut er das?-
fragte die giftige Puppe.
Wegen der Freiheit
und der Wahrheit,- sagte I.M.- Im Unterschied zum Rest der ukrainischen
Presse bringen seine Zeitungen die Wahrheit. Vor allem über ihn selbst.
Und die anderen
verleumden ihn?
Eben!- bestätigte
I.M.- Sie behaupten, Herr Rabinovich kam auf nicht ganz koschere Weise zu
seinen Milliarden. Und beziehen sich auf Interpol, die Kripos der USA,
Israels und der Ukraine selbst, als wären das vertrauenswürdige Quellen.
Kein Wunder, dass
Herr Rabinovich gezwungen ist, die europäische Presse zu bitten, sich für
die Pressefreiheit in der Ukraine einzusetzen.
Obwohl der Einsatz
nicht billig ist.
Ausserdem muss er
viel als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in der Ukraine ausgeben.
Jeder Jude, der unverschuldet in Not gerät, erhält grosszügige Unterstützung
von ihm.
Jeder Jude? Du hast
also keine Chance, Matrjoschkin!- sagte die Puppe schadenfroh.- Oder bist
du etwa auch einer?
Mein Vater war
Jurist,-sagte I.M. diplomatisch.
Kennt ihr den alten
sowjetischen Witz? -sagte hier die matrjoschka.- Zu einem sowjetischen
Kaderchef kommt ein Arbeitssuchender. "Dein Name?- fragte der
Kaderchef streng. "Rabinovich!- sagt der Abreitssuchende.
"Ethnische Zugehörigkeit?" "Russe!" "Abgelehnt!-
sagt der Kaderchef. - Mit dem Namen stelle ich lieber gleich einen Juden
ein.
Sie lachte. Die
anderen Holzpuppen starrten sie verständnisvoll an.
Bleiben wir
sachlich,- mahnte die vorsitzführende Puppe.
Ich wollte nur erklären,
warum ich Herrn Rabinovich die Sparsamkeit nicht übelnehme, obwohl ich
Orangensaft hasse wie die Pest ,- gab Matrjoschkin von sich.
Was gab es noch
Bemerkenswertes?- fragte die Puppe.
Tief beeindruckt hat
mich die Mitteilung, dass Herr Rabinovich acht Jahre in einem sowjetischen
KZ schmachten musste, weil er die freie Marktwirtschaft als ein fait
accompli in der Sowjetunion einführen wollte. Da sehen wir die ganze
Barbarei der sowjetischen Kommunisten.
Im Buch "Der
Oligarch" sollte der Leidensweg des überzeugten Demokraten unter den
kommunistischen Herrschern beschrieben werden. Auch das Menschliche an der
Figur des Herrn Rabinovich kommt dort nicht zu kurz. Der Verfasser hat in
dem Zusammenhang gesagt, die zahlreichen Treffen mit dem Helden hätten
ihm geholfen, die ganze Primitivität der Schwarz-Weiss- Malerei nach dem
Grundsatz- hier die ehrlichen Geschäftsleute, dort die Mafiosi- zu
begreifen.
Die Grenze ist tatsächlich
fliessend, -hakte die Puppe ein. –Wenn überhaupt vorhanden. Also ist es
ein rabinovichfreundliches Buch?- .
Ein
wahrheitverpflichtetes!- antwortete Matrjoschkin.
Was musste der
Oligarch für die Wahrheit rausrücken?
Keine müde Mark!-
antwortete Matrjoschkin wie aus der Kanone geschossen. – Der Verfasser,
Herr Jürgen Roth, ist nicht käuflich. Er hat es selbst gesagt. Und
bewiesen. Denn ihm wurde viel mehr als eine halbe Million geboten, wenn er
das Buch nicht herausgibt. Und er wies das Angebot mit Empörung
zurück!
Eine halbe Million!-
sagte seufzend die Puppe. – Ich würde es gut gebrauchen können... Für
die Reise zu den Papuas. Das ist nämlich das einzige Volk, das kein Geld
kennt. Einen Herrn Rabinovich würden sie schön braten und mit Appetit
verspeisen...
Es gibt anscheinend
auch andere, die ihn gern braten und verspeisen würden,- sagte Iwan
Matrjoschkin.- Jedenfalls kam er in seinen Ausführungen immer wieder auf
den Punkt. Er meinte, nach dem Erscheinen des Buches, in dem viele Tricks
der Mafia offengelegt werden, blühe ihm nichts Gutes. Er würde mit Kübeln
voll Schmutz übergossen. Auch ein Attentat schliesse er nicht aus...
In dem Augenblick
rasten am Verlagshaus "Matrjoschka-online" mehrere Polizeiautos
mit "tü-tü-ta-ta" vorbei.
"Es ist so
weit!"- sagte Matrjoschkin erbleichend- und zog ein Foto aus der
Tasche.
Das letzte Konterfei
von Rabinovich, - verkündete er stolz. – Zehn Mark aus der
Redaktionskasse und ihr habt es.
"Ach, Iwan,
Iwan, -sagte die Puppe. – Wieder willst du uns deine zweifelhaften Rückansichten
andrehen..."
Dann guckte sie in
die durstigen Augen des Mitarbeiters, lächelte und schloss den
Panzerschrank mit dem Redaktionsgeld auf...
MATRJOSCHKINS REISE
NACH MOSKAU
Iwan Matrjoschkin
wurde vom Medienkonzern "Matrjoschka-online" nach Moskau
geschickt. Trotz hoher Reisekosten. Und wegen einer einmaligen Ausstellung
in der Metropole an der Moskwa. Sowjetische Agitationsplakate gegen
Trunkenheit.
In der Sowjetunion
war nämlich jedwede Popularisierung von Alkoholgetränken strengstens
untersagt. Sogar ein beschwingtes Puschkingedicht, in dem der junge
Dichter seine Freunde zu einem fröhlichen Sektfrühstück einlädt,
durfte im Radio nicht rezitiert werden. Obwohl sein Refrain lautet:
"Es leben die Musen, es lebe der Verstand". Die Musen, der
Verstand- bitte sehr. Aber ohne Sekt, erst recht ohne Wodka, lautete die
Begründung der Zensur.
Als im Redaktionsteam
von "Matrjoschka-online.de" der Auftrag für Matrjoschkin
diskutiert wurde, wiesen die Diskussionsteilnehmer auf den hohen
erzieherischen Wert des avisierten Ausstellungsbesuches. "Matrjoschkin
hat es bitter nötig,- sagten die weiblichen Puppen,- mit den schlimmen
Folgen des übermässigen Alkoholgenusses konfrontiert zu werden."
Die eine scheisskluge
matrjoschka hatte Bedenken. Sie führte ins Feld, dass die Sowjetmacht gar
nicht ernsthaft gegen die Trunkenheit vorgegangen war. An Wodkaproduktion
verdiente sie ja das Meiste. Mehr als an Erdöl. Jede Flasche brachte bis
zu 95 Prozent Gewinn. Ohne die Einnahmen wäre der Staat viel eher pleite
gewesen. Oder müsste die Waffenfabriken stoppen, was eine riesige
Arbeitslosigkeit zur Folge hätte.
So hielt sie die
in Moskau ausgestellten sowjetischen Plakate für eine zynische
Augenwischerei der gewesenen Staatsmacht. Eine positive Wirkung sei von
der Ausstellung nicht zu erwarten. Auf die Stamm-Moskauer nicht, die
jetzt, vor Ärger über die Zustände getrieben, womöglich noch mehr als
ihre Landsleute von damals saufen.
Und speziell auf
Matrjoschkin auch kaum.
Zumal der Kollege,
der sich nach einem angeblichen tete-a-tete- Gespräch mit dem
NATO-Generalsekretär, Lord Robertson of Port Ellen, selbst adelte und
Esquire nennt, bereits einige Entzugskuren unbeschadet überstand.
Recht sollte sie
behalten. Das war zu sehen und zu riechen, als Matrjoschkin nach kurzem
Besuch in der russischen Hauptstadt wieder in Berlin eintrudelte.
Trotzdem oder
vielleicht gerade deswegen war er voll Lob für die Ausstellung. Sein
Bericht leitete er mit der Beschreibung eines Plakats aus dem Jahre 1930
ein. Dieses zeigt einen total verbiesterten Muschik und seine verhungerte
Familie . Drunter der Satz: "Du versäufst alles und deine Nächsten
verhungern!". Sehr ausdrucksvoll, sagte Matrjoschkin.
Merkt Euch das Datum:
1930! Das Jahr, in dem Russland von einer Hungersnot heimgesucht wurde.
Die Ursache wurde in der Vernichtung des traditionellen Bauernbetriebs und
die Einführung der "sozialistischen" Kollektivwirtschaft
gesucht. Das Plakat stellte das richtig: die Bauern waren selbst an
ihrem Unglück schuld. Zu viel gesoffen!
Was hast Du, Esquire,
noch in der Ausstellung gesehen, wandte sich eine Puppe, die Stirn
runzelnd, an Matrjoschkin.
Unvergessen bleibt
mir, sagte er ein wenig verwirrt, das Plakat, wo bildlich dargestellt
wird, wieviel Korn durch die Wodkaproduktion verloren geht. 2,4 Millionen
Tonnen im Jahr. Ein Berg von Korn, der reichen würde, um fünf Millionen
Menschen zu ernähren.
Das Datum des
Plakats?
1933,- sagte
Matrjoschkin, nachdem er im mitgebrachten Katalog geblättert hatte.
In dem Jahr befahl
Stalin, 5.000.000 Tonnen Weizen nach Deutschland auszuführen, sagte die
geschichtsbewusste Puppe. Und in der Ukraine starben etwa 2,4 Millionen
Menschen vor Hunger. Wieder also die Schuldzuweisung an die Opfer...
Weiter, Matrjoschkin!
Sehr lehrreich auch
ein Plakat aus dem selben Jahr, worauf eine Wodkaflasche neben einem Käsekopf
abgebildet ist,- sagte Esquire.- Die Unterschrift teilt mit, der Käsenährwert
sei 78 mal höher.
"Ha-ha,-kicherte
die Puppe.- Trinkt keinen Wodka, esst Käse! Das erinnert mich an den Rat
der französischen Königin Marie- Antoinette an ihre hungernden
Landsleute: Wenn Ihr kein Brot kriegt, esst brioche!"
Die anderen
Matrjoschkas fanden das keineswegs komisch. Nur Matrjoschkin lachte blöde.
Aber am meisten
gefiel mir das Plakat mit zwei KGB-Männern,- sagte er, wieder ernst
geworden.- Beide sehr adrett. Der eine fröhlich, der andere traurig.
Warum ist er traurig? Weil er vor den Schiessübungen getrunken hat. Nur
ein Glas Wodka. Aber es hätte gereicht, um seine Zielsicherheit um das
Dreifache zu senken. Das Jahr 1936,- teilte er mit, der Frage der
geschichstbewussten Puppe zuvorkommend.
"Ach so.1936,
der grosse Terror, - sagte sie.- Komisch. Wozu brauchten die KGB-Männer
um die Zeit Zielsicherheit. Für Genickschüsse in den
Hinrichtungskellern? Das geht auch ohne Zielsicherheit".
"Alles, was ich
berichte,- sagte Matrjoschkin indigniert,- wird durch den Kakao gezogen.
Habe ich etwa umsonst die Strapazen der Reise auf mich genommen?"
"Keineswegs,-
sagte die Puppe.- Insbesondere, wenn Du das eigene Verhalten einer
strengen Überprüfung unterziehst".
"Ab Morgen tue
ich das,- sagte Matrjoschkin.- Heute aber muss ich mich entspannen.
Deswegen beantrage ich hiermit eine Prämie von 50 DM, bzw. 26 Eur."
Wofür willst die Prämie
haben?- fragte die Puppe, die die Kasse betreut.
Für einen
unfreiwilligen Entzug während drei qualvoller Tage , -erklärte
Matrjoschkin.
Die Puppe seufzte und
ging zum Geldschrank.
DIE POLITIK IM
XXI.JAHRHUNDERT
Das war das Thema
einer Podiumsdiskussion der SPD über "Internationale Politik im 21.
Jahrhundert". Ich ging hin, weil ich den Vorsitzenden der SPD, Herr
Bundeskanzler Gerhard Schröder, erleben wollte. Leider konnte er aber die
Konferenz nicht eröffnen, da er in Nizza im EU-Stau steckengeblieben war,
und so vertrat ihn der Präsident der Sozialdemokratischen Partei Europas
Herr Bundesminister Rudolf Scharping.
Neben dem
Generalsekretär der OECD Herrn Donald J. Johnston waren als
Podiumsdiskutanten noch der Vorsitzende des Vorstandes der Renault S.A.,
Paris, Herr Louis Schweitzer (Enkel des gleichnamigen Albert) und der
Vorstandsvorsitzende der Siemens AG Dr. Heinrich von Pierer mit von der
Partie. Moderiert wurde die Diskussion vom Direktor der Stiftung
Wissenschaft und Politik (SWP) Dr. Christoph Bertram. Die SWP versteht
sich als Beratungsorgan der Bundesregierung (obgleich der Herr
Bundeskanzler ja eigentlich als Berater "den Steiner" hat, was
ihm laut seiner eigenen Auskunft reicht).
Ich war nun sehr
gespannt, was das erlauchte Podium zum Thema "Internationale
Politik" zu sagen hätte.
Am meisten sprach
Herr Dr. Heinrich von Pierer. Eloquent, witzig und selbstbewusst, streifte
er die Ereignisse in der unruhigen Welt. Ein echtes Engagement merkte man
ihm erst an, als er gegen das "robuste", wie er sagte, Verhalten
der Amis im Wettbewerb mit den Deutschen loszog. Unter anderem empörte er
sich darüber, dass Washington den USA-Konzernen mit verdeckten
Subventionen (lukrativen Rüstungsaufträgen, z.B.) Wettbewerbsvorteile
sichert. Sonst beteuerte er, die deutschen Spitzenunternehmer würden
schon ihren Mann stehen. Natürlich wenn ihnen keine Knüppel vor die Füsse
z.B. in Form von Mitbestimmung der Arbeitnehmer oder des staatlichen
Dirigismus geworfen werden. Will ich, Iwan Matrjoschin, Esq., sehr hoffen.
Die anderen
Teilnehmer sprachen zwar die in verschiedenen Weltteilen lauernden
Gefahren an, aber in der Substanz kaum anders, als es in einer üblichen
Talk Show tagtäglich geschieht.
Von Visionen für das
21. Jahrhundert keine Spur.
Das enttäuschte mich
sehr. Und nicht nur mich. Kein Wunder, dass sich der Saal allmählich
lichtete. Die Übriggeblieben gaben keinerlei Zeichen echter Anteilnahme .
Sie wurden erst richtig wach, als Herr Dr. Heinrich von Pierer das neue Handy
von Siemens vorführte. Er versprach, das Ding komme demnächst in die Läden,
damit es noch rechtzeitig auf Weihnachtsgabentischen landen kann. Die
Anwesenden lachten laut und vergnügt und klatschten Beifall. Ich auch.
Insgeheim hoffte ich, jeder Zuhörer würde jetzt das Wunderding geschenkt
kriegen. Keine Spur. Die Geizhalse von Siemens dachte daran nicht. Sie
denken anscheinend nur an sich selbst.
Besonders enttäuschte
mich aber der Abschluss der Veranstaltung. Und zwar ließ Moderator der
Debatte Herr Dr. Bertram am Ende ein wichtiges Statement hören ("Ich
glaube, Sie- also die Gäste- kriegen jetzt was zu essen"), das sich
als arglistige Täuschung erwies. Außer Kaffee und Tee wurde nichts
angeboten. Und das nach einer dreieinhalbstündigen Behandlung mit
Allgemeinplätzen.
Somit hat die II.
Internationale in meinen Augen an Ansehen verloren.
Vielleicht ist es an
der Zeit, die III.zu reaktivieren, deren Veranstaltungen reichlich mit
Wodka- und Kaviargenuss begleitet wurden? Wenigstens als Gen. Sinowjew
(ein Lebemann durch und durch!) noch den Vorsitz führte.
Leider wurde er später
auf Stalins Befehl erschossen ( der Dshugaschwili zog dem russischen Wodka
den georgischen Wein und dem Kaviar getrocknete Feigen vor). Dann kam der
langweilige Gen. Manuilski und noch später der würdige Bulgare Dimitroff.
Der genoss im ZK der
WKP (b) wenig Ansehen. So wurde das Etat der III. Internationale drastisch
gekürzt- mit verheerenden Folgen für die Speise- und Getränkekarte der
Veranstaltungen.
Das war ein Omen.
Bereits 1940 erwog Stalin die Abwicklung der III. Internationale als eine
kleine Aufmerksamkeit für den damaligen Freund Adolf.
Dennoch wollte er
zuerst mit dem Gen. Dimitroff abrechnen, den er insgeheim für einen Verräter
hielt. Der Vater aller Völker der Welt konnte sich nämlich gar nicht
vorstellen, das Reichsgericht in Leipzig hätte 1934 die Anklage gegen den
Bulgaren, den Reichstag angezündet zu haben, tatsächlich mangels Beweise
fallen gelassen. Denn in der SU kam damals eine Anklage dem Urteil gleich
und so etwas wie Beweisführung wurde für eine bürgerliche Marotte
gehalten.
Also verzögerte sich
die Liquidierung der III. Internationale. Sie wurde erst 1943 vollzogen-
als eine kleine Aufmerksamkeit für die neuen Freunde, Franklin und
Winston.
Die meisten Damen und
Herrn aus dem ehrenwerten Verein mussten sich vorher mit der äußerst
schmalen Kost auf dem Archipel Gulag zufrieden geben- soweit sie von
Stalins Schergen noch nicht erledigt worden waren.
Das ist also die
kurze kulinarische Geschichte der III. Internationale.
Es gibt noch eine
IV., deren Gründer L.D. Trotzki nicht so sehr hinter guten Köchen,
sondern eher hinter liebeshungrigen Revolluzerinnen her war.
Womit seine Verehrer,
die Trotzkisten, jetzt ihren weltrevolutionären Hunger stillen, entzieht
sich unserer Kenntnis. Vermutlich mit fastfood.
Zum Ausgangspunkt zurück:
Ich habe nicht erwartet, dass die II. Internationale, die einzige, von der
ich Gutes erhoffe, ihre Gäste derart hinters Licht führen konnte. Schließlich ist sie nicht arm. Und "Adlon" hat eine wunderbare
Küche und ein sehr schönes Ambiente...
Vielleicht wäre das
Malheur nicht passiert, wäre Herr BK in Nizza nicht aufgehalten worden.
Wie teuer uns die
Streitigkeiten in der EU kommen!
Allerdings wurde ich
am Abend des Tages für die schlechte Behandlung im "Adlon"
entschädigt. Es gab nämlich einen Empfang in der Russischen Botschaft.
Aus Anlass der Preisverleihung an Deutsche, die sich für leidende Russen
engagieren. Nach beeindruckender Schilderung der russischen Nöte und
deutscher Barmherzigkeit durch Alt-Bundespräsident Weizsäcker und die
Kollegin Krone-Schmalz (die mit der komischen Frisur) gingen vielzählige
Gäste ans Werk.
Mir stockte der Atem.
Wie sollte ich Berge von Bliny mit Kaviar (allerdings dem roten) und
erstklassigem Lachs schildern. Und das war bei weitem nicht alles...
Es lebe die russische
Gastfreundschaft! Да
здравствуют
хлебосольные
русские!
12.12.00
4. APPELLE
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