Matrjoschka

Die Puppen sind anklickbar!

Eine eMail an uns? 

Zur Startseite

 

 

 

 

Eugen Onegin flaniert Unter den Linden

Der deutsche Puschkinforscher Rolf-Dietrich Keil, durch seine Neuübersetzung des Versromans "Eugen Onegin" des russischen Nationaldichters  bekannt, schreibt  im Programmheft zu dieser Ballettaufführung in der Deutschen Staatsoper Unter den Linden, "... den deutschen Leser überkommt beim Namen Puschkin vermutlich gar nichts ...". Obwohl etwas pauschalisiert, trifft diese Behauptung im Kern zu. Und die Schuld liegt bei Puschkin selbst. Seine Verse wurzeln so tief in der russischen Sprache, in ihrer Melodik und in ihrem  Idiom, dass auch die besten Nachdichter   vor einer schier unlösbaren Aufgabe stehen, wenn sie versuchen, das poetische Puschkinwerk dem deutschen Leser zu vermitteln. Abgesehen davon, dass es um eine  Enzyklopädie des russischen Lebens des XIX. Jahrhunderts geht, die   gewisse  Vorkenntnisse der russischen Geschichte erfordert, um verstanden  zu werden.   

Umso verdienstvoller ist es, dass sich die Berliner Staatsoper diese etwas altmodische, aber trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen bezaubernde  Geschichte über egoistische Männerliebe und unerschütterliche Frauentreue vorgenommen hat. Eine Geschichte, die in der Geistesentwicklung Russlands nicht weniger bedeutsam war als  „Die Leiden des jungen Werthers“ oder sogar der „Faust“ von Goethe in der Geistesentwicklung Deutschlands. Und dass diese Geschichte  als Ballett aufgeführt wird,   das  bekanntlich ohne Worte auskommt, schmälert den Verdienst keineswegs. Im Gegenteil.

Man kann sich aber gut vorstellen, wie ein Russe, der diese Zeilen liest, das Gesicht verzieht. Denn das scheint ihm   zweifelhaft. Eugen Onegin, die von diesem Petersburger Dandy angehimmelte Tatjana Larina, der  von ihm aus Langeweile getötete  Freund Wladimir Lenski und andere, jedem Russen von der frühesten Kindheit an vertraute Gestalten des Versromans auf der Ballettbühne? Das heißt,  als stumme, Freud und Leid  nur mit Tanzschritten zum Ausdruck bringende Figuren? Ob das kein Frevel ist?

Nein, es ist kein Frevel.  Unter der Bedingung allerdings, dass die Choreographie  von John Cranko und die Musik von Peter Tschaikowski stammt und  auf der Bühne die Balletttruppe der Staatsoper Unter den Linden agiert. Die Begeisterung im Zuschauerraum bezeugt es. 

Und last not least ist der Beitrag russischer Tänzer hervorzuheben.  In der Tat, wer  könnte beim russischen Thema auf einer Ballettbühne ein besserer Vermittler der dichterischen wie musikalischen Intentionen  sein als der  an der Moskauer Bolschoi Ballett Schule ausgebildete, jetzige Ballettdirektor der Lindenoper Vladimir Malakhov, der den jugendlich verträumten Lenski tanzt. Die Partie der Tatjana, Inbegriff der romantischen russischen jungen Frau,  übernahm  die inzwischen weltberühmte Nadja Saidakowa. Und  Artem Shipelevski als Zweitbesetzung der Titelpartie, des Onegin, ist auch ein guter Griff. Kurz und gut,  Russland ist „auf dem Gebiet des Balletts dem ganzen Planeten wieder überlegen“, wie es in einem Lied hieß. Und das deutsche Ballett profitiert davon. Wenigstens etwas...

Zwar steht das Spektakel  nicht im offiziellen Programm der russisch-deutschen Kulturbegegnungen dieses Jahres, passt aber  wie selbstverständlich in seinen Rahmen. Es bringt dem Besucher vielleicht das wichtigste Werk des russischen Nationaldichters näher, auch dem, der nie Puschkins Versroman in der Hand gehabt hat und vielleicht auch nie haben wird. Eine Leistung, die jeder Puschkin-Fan in Russland zu schätzen weiß. Und welcher Russe ist kein  Puschkin- Fan?

17.11.03

DIE DÄMONEN

In dieser Woche steht die bei jungen Leuten wohl populärste Bühne Berlins, die Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz, im Zeichen der Kulturbegegnungen mit Russland, als Tage der Deutsch-Russischen Freundschaft angekündigt. 

Im Roten Salon der Volksbühne wurde der von Chefregisseur  Frank Castorf gedrehte Film nach Dostojewskis „Dämonen“ aufgeführt. Die Aktualität dieses in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts geschriebenen Romans liegt auf der Hand, erzählt er doch, zu welchen Verrenkungen Menschen fähig sind, die sich als Retter des Volkes aufspielen, dabei aber mit seinen besten Traditionen, seiner Moral und seinem Glauben brechen. Mit den Dämonen reagierte Fjodor Dostojewski auf die ersten terroristischen Exzesse im damaligen Russland wie Brandstiftungen in Sankt Petersburg und Bombenattentate auf Angehörige des Herrscherhauses.

 

Leider aber gelang es dem populären Theatermann nicht, gerade den aktuellen Aspekt des Romans im Film überzeugend darzustellen. Bei ihm zerfällt Dostojewskis Werk in sehr expressiv gestaltete psychologische Etüden,  doch die tiefer liegende Aktualität der Handlung geht verloren. Da helfen auch die Attribute der Gegenwart im Bühnenbild wie Autos, Fernseher und Telefon wenig. Auch sieht man im Film keine Russen, obwohl Dostojewskis Romanfiguren immer unverkennbar russisch sind und wenn die legendäre „russische Seele“ existiert, dann in seinen Werken. So kommen die handelnden Personen des Films als   Zyniker und Neurastheniker ohne Nationalität und Zeitbezug vor. Ein Schauspiel, das gewiss aufrüttelt,  den Zuschauer  jedoch kaum an die russische Mentalität, Kultur und Geschichte   heranführt.

 

Das tut ein anderer Film umso besser, der im Großen Haus der Volksbühne am Vortag gelaufen ist, nämlich der Stummfilm des hoch begabten, aber im Schatten der Filmgeschichte gebliebenen Lew Kuleschow unter dem Titel „Die seltsamen Abenteuer des Mister West im Land der Bolschewiki“. Die Schöpfer des 1924 gedrehten Films, darunter später weltbekannt gewordene Schauspieler, machen sich über die russenfeindlichen Klischees im Westen, genauer, in den USA, lustig. Erst recht mitreißend wurde der Stummfilm durch die extra für seine neue Aufführung komponierte  Musik von Benedikt Mason, im Theatersaal vom landesweit beliebten Ensemble „Kontraste“ dargeboten.  Es ist wohl eine große Ausnahme, dass die Vorführung eines achtzig Jahre alten Streifens mit so viel Applaus begleitet wurde, wie er den „Seltsamen Abenteuern des Mister West im Lande der Bolschewiki“ zuteil wurde. Ganz im Unterschied   zu der Publikumsreaktion im Roten Salon nach den Dämonen von Frank Castorf.

 

Die Verfasserin dieses Berichts muss bekennen, dass sie nicht ohne Hemmung eine ungünstige Meinung über ein Werk des für seine Affinität zur  russischen Kultur bekannten Frank Castorf äußert, aber  auch im Rahmen des russischen Jahres in Deutschland wie auch des kommenden deutschen in Russland muss wohl  nicht alles kritiklos hingenommen werden, was im Kulturaustausch seinen Platz findet. Viel mehr ist mitunter eine kritische, in jedem Fall aber freundliche Akzeptanz  am Platze. Die Kulturbegegnungen geben den Kulturschaffenden beider Länder Gelegenheit zum belebenden Meinungsstreit, in dessen Ergebnis beide Kulturen nur gewinnen können. Und die Gelegenheit darf nicht ungenutzt bleiben.  

29.10.03

  

Boris Beresowski jagt  Angst ein.

 

Vorwort von m.

 

Wie „matrjoschka- online“ (als erstes Massenmedium in Deutschland) bereits berichtete, wurde in Russland der Chef des viertgrößten Erdölkonzerns der Welt, einer der reichsten Männer unter dem Himmel, Michail Chodorkowski, verhaftet. Ihm wurden  sieben schwere Gesetzesvergehen  angelastet. Darunter  Steuerhinterziehung in  Höhe von mehreren Hundert Millionen Dollar.*

 

Die Verhaftung sorgte für große Unruhe in der ehrenwerten Gesellschaft  russischer Milliardäre. ** Einer, Boris Beresowski, der schon lange  Asyl in Großbritannien genießt, veröffentlichte eine Stellungnahme. Wir bringen diese als Zeitdokument, ohne  uns in die Hetze gegen den russischen Staat einschalten zu wollen,***  und stark gekürzt, da sich der milliardenschwere Exilant, offensichtlich seiner Ruhe beraubt, oft wiederholte oder am Thema vorbei redete.

 

Also sprach  Beresowski:

Die im Jahr 2000 begonnene Wiederherstellung eines autoritären russischen Staates geht weiter.**** Die Unterordnung der Geschäftswelt ist eine obligatorische Voraussetzung dafür. Wenn die Machtgewaltigen jetzt nicht die Geldkontrolle in die Hand bekommen, wird alles andere sinnlos.***** Und Geldkontrolle bedeutet, das russische Geschäftsleben zu kontrollieren, zur Zeit über 80 Prozent der russischen Wirtschaft ist Privatwirtschaft. Ob die Weltgemeinschaft auf die Verhaftung Chodorkowskis reagiert, bleibt dahingestellt. Wahrscheinlich wird der Westen nichts Wirksames unternehmen, denn dort denkt man so rationell, dass es keinen großen Unterschied macht, ob man es mit Putin oder Jelzin zu tun hat.****** Die Hauptsache, in Russland herrscht Friedhofsruhe und es gibt keine Exzesse. Sie knutschen Putin ab und sagen von Jelzin, er saufe.  *****.  Doch hat auch das System Putins, das er gerade aufbaut, seine objektiven Gesetze des Entstehens, der Entwicklung und des Absterbens. Es ist offensichtlich, dass sich dieses System in der Endphase befindet. Deshalb wird Putin im März nächsten Jahres nicht wiedergewählt.*********

Das Vorgehen des Kreml wird nicht ohne Folgen für die russische Wirtschaft bleiben. Es führt zum Niedergang des russischen Markts, zur Abwanderung des russischen Kapitals ins Auslands. Kürzlich sprach ich mit westlichen Bänkern. Nachdem Chodorkowskis Erdölkonzern JUKOS unter Druck geraten war, flossen Dutzende Milliarden aus Russland ins Ausland. Dutzende, nicht zwei oder drei Dutzend, sondern viele Dutzend. Und das geht täglich so weiter. Ich treffe hier viele mir bekannte und unbekannte Geschäftsleute, die zu mir kommen und erzählen, dass sie ihre Geschäfte und Büros und ihren Wohnsitz hierher verlegt haben.  Eine große menge russischer Geschäftsleute ist nach London umgezogen.

Grani.Ru

PS. Von Iwan Matrjoschkin Esq.

*Damit wird sichtbar, wie unzivilisiert Russland ist. In einem zivilisierten kapitalistischen Land, wie Russland eins sein will, werden Milliardäre nie einer Steuerhinterziehung beschuldigt. Höchstens Millionäre, aber auch diese sehr selten. Denn ein zivilisierter Kapitalismus  wird so gestaltet, dass nicht ein erfolgreicher Geschäftsmann dem Staat etwas schuldet, sondern umgekehrt, der Staat dem Geschäftsmann. So muss  die Steuerfahndung in seichten Gewässern ihre Netze auswerfen. 

** Auf der russischen Liste der Milliardäre stehen bereits Dutzende Namen. Alles Leute, die nach dem Machtantritt  Jelzins im Jahre 1991 fette Filetstücke der russischen „sozialistischen Ökonomie“ unter sich teilten. Die meisten, ohne oder mit geringem Startkapital, wenn man  ihre Kontakte zu korrumpierten Politikern aus Jelzins Umgebung nicht als ein solches ansieht. 

 

*** Die einfachen Russen sind allerdings weit davon entfernt,  Herrn Chodorkowski und seinesgleichen  zu bemitleiden. Nicht ohne Grund nehmen sie an, die Milliarden  bildeten sich aus dem  Geld, das ihnen fehlt, um nicht mit  leerem Magen ins Bett gehen zu müssen.  

 

**** Im Jahre 2000 trat Wladimir Putin sein gegenwärtiges Amt an, das ihm sein Vorgänger, Boris Jelzin, hinschob.

 

***** Vertrauen ist gut, Kontrolle besser!

 

****** Nichteinmischung in die inneren Angelegenheit eines fremden Landes!

 

*******Und ob Jelzin säuft! Man wird blass vor Neid.

 

******** Herr Beresowski will hier andeuten, dass die ganze Geschichte von britischen Immobilienhändlern eingefädelt wurde. Jetzt gehen englische Landschlösser und Stadtvillen wie warme Semmeln weg. Dagegen bleibt der Immobilienmarkt in Deutschland wie gelähmt. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, wie der Vorgänger Jelzins, Limonadenmischa, mal sagte. 

********* Nach zuverlässigen Berichten unseres, in Russland tätigen Geheimdienstes, hat Wladimir Wladimirowitsch Putin seine zweite Frist so gut wie in der Tasche. Ich gratuliere meinem Freund in Voraus. 

Und Ihr, Oligarchen, zittert! Oder spendet von Euren Milliarden  einem intelligenten und ehrlichen Menschen, von hölzernen Weibsbildern wie diese   diskriminiert.

Für edle Spender  erbitte ich  Gnade im Kreml. Ehrenwort eines Esquiers!

Spendenadresse: Iwan Matrjoschkin, Esq., Stammtisch der Kneipe „Sonnenschein“, Prenzelberg, Berlin. 

27.10.03

 

EU UND RUSSLAND

In der Europäischen Akademie zu Berlin fand eine Tagung zum Thema “Russland vor den Duma- und Präsidentschaftswahlen und die Konsequenzen für das Verhältnis zur EU“ statt.

Die bevorstehenden  Wahlen in Russland ziehen mehr und mehr die Aufmerksamkeit der deutschen Russlandexperten auf sich.  Kaum jemand von Rang in dieser kompetenten Riege zweifelt an der großen Bedeutung der Konstellation der russischen  politischen Kräfte   für die Zukunft Deutschlands, des gesamten Europas. Man kennt die Geschichte. Man weiß Bescheid über die Spätfolgen der Isolierung  Russlands nach der Großen Revolution 1917. Hätten die führenden europäischen Mächte, die Sieger des Weltkrieges, damals konsequent den    Kurs auf Einbindung Russlands ins europäische Nachkriegssystem verfolgt,  wäre dem alten Kontinent vielleicht einiges erspart geblieben. Jedenfalls hätten es die Urheber des Weltkrieges Zwo, die auf der Hefe des Antikommunismus und der Russenphobie in Europa an Einfluss gewannen, es schwerer gehabt. Und ihre feindlichen, von der Bürgerkriegsmentalität gezeichneten Brüder in Russland auch.

 

Damals hieß es, Russland dürfe wegen seiner Ausrichtung auf die Weltrevolution  im  europäischen Konzert keinen Platz erhalten. Das Russland von heute ließ seine Verirrungen von gestern fallen. Dennoch  wird auch dieses andere Russland   auf Distanz gehalten. Vom  Kooperationswillen wird zwar auf beiden Seiten viel gesprochen. Getan aber weniger als nötig, um einer Entfremdung Russlands vorzubeugen. So, wenn es um die  Bewegungsfreiheit  der Russen in Europa geht.   Oder um einen  gemeinsamen Wirtschaftsraum, ohne Zollschranken  für  russische Exporte. Die Investitionen der EU- Länder in die wirtschaftliche Entwicklung Russlands, auch wenn sie in der letzten Zeit steigen, bleiben   hinter den vorhandenen Möglichkeiten zurück.

 

Es gibt also keinen Grund, mit der Entwicklung der Beziehungen  zwischen der EU und Russland übermäßig zufrieden zu sein. Das klang in den Vorträgen in der Europäischen Akademie durch. Auch die Sorge ließ sich vernehmen, dass die Osterweiterung der EU, bei der Russland ausgespart bleibt, die Situation, gelinde gesagt, nicht gerade verbessert.

 

Was aber den in den Vorträgen angesprochenen Zusammenhang  zwischen den bevorstehenden  Wahlen in Russland und der Russlandpolitik der EU angeht, lässt er sich auf ein russisches Sprichwort reduzieren:  „kak auknetjsja, tak i otkliknetjsja“. Auf Deutsch: “Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück.“ Also darf man sich nicht wundern, wenn der eine oder andere Demagoge in der Wahlpropaganda in Russland seinem Hass auf Europa freien Lauf lässt. Und vielleicht sogar bei den  Wahlen besser abschneidet, als es den  Anhängern der Integration Russlands in Europa  wünschenswert erscheint.  24.8.03

 

ATOMKRIEGSGEFAHR

Zum 58. Jahrestag des in der Menschheitsgeschichte ersten  Atomwaffeneinsatzes mit der Bombardierung  Hiroshimas durch die Luftstreitkräfte der USA am 6. August 1945  befragte ein russisches Meinungsforschungsinstitut die Russen danach, wer als nächstes eine Atombombe abwirft. 32 Prozent der Befragten nannten die internationalen Terroristen. Und genauso viele nannten die USA.. 

Nur sechs Prozent meinten, werde eine Atombombe zünden. Zwei Prozent halten es für real, dass eine atomare Gefahr von Großbritannien und Frankreich ausgeht. Nur zwei Prozent halten es für möglich, dass Russland als erste in der neuen Welt die Atomwaffe zum Einsatz bringt. Sieben Prozent trauen dies Nordkorea und vier Prozent Indien sowie Pakistan zu.  

44 Prozent der Befragten halten einen Atomkrieg für durchaus real, 21 Prozent hielten ihn für sehr wahrscheinlich. Nur neun Prozent  halten ihn für unmöglich. 34 Prozent  äußerten die Ansicht,  die Gefahr sei in den letzten zehn Jahren gleich geblieben,  26 Prozent sagten ,  sie sei unbedeutend gestiegen und nur zehn Prozent äußerten, sie sei ein wenig gesunken. 

 

PS. von Iwan Matrjoschkin, Esq.  Eine ähnliche Umfrage am Stammtisch in der Kneipe „Sonnenschein“, Berlin, Prenzlauer Berg, ergab noch viel eindeutigere Ergebnisse. Alle 100 % der Befragten  meinten, die Gefahr gehe von den USA aus. Wie versprochen, erhielten sie je ein Maß Bier, das ich den Kneipier anschreiben ließ. Als überzeugter Friedensfreund  willigte  er diesmal  ein, ohne einen Streit anzufangen.

                15.08.03

 

AUF, AUF ZUM KAMPF, ZUM KAMPF SIND WIR GEBOREN!

 

-                     könnten die russischen Kommunisten als Motto ihrer derzeitigen Wahlkampagne (im Dezember findet in Russland die Parlamentswahl statt) voranstellen. Auf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht würden sie sich allerdings nicht berufen. Eher schon auf  Gennadi Sjuganow, den Vorsitzenden der KPRF, der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (über 500 000 eingeschriebene Mitglieder, mehr als alle anderen Parteien der RF zusammengenommen). Jedenfalls geben sie sich sehr kämpferisch. Jede Gelegenheit  wird genutzt, um den ungebrochenen Geist unter Beweis zu stellen.

 

Sogar  der Jahrestag der Schlacht bei Kursk 1943. Es war eine sehr wichtige Panzerschlacht. Wenn die Stalingrader Schlacht 1942- 1943 zeigte, dass die Sowjetunion nicht zu besiegen war, brachte diese die Erkenntnis, dass die Sowjetunion  siegen kann.

 

Schön und gut. Aber in ihrem Appell zum 60. Jahrestag der Kursker Schlacht zog die KPRF eine etwas riskante Parallele zwischen Gestern und Heute. Sie hob  hervor, dass Russland wieder in Gefahr sei. Sie führte die NATO- Osterweiterung und die USA- Stützpunkte in  anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion als Beweis an. Sie rief zur Wiederherstellung des Sozialismus und der Sowjetunion  auf.  

 

Die führenden Männer der KPRF schossen eine Salve von Medienbeiträgen ab, die denen von anno dazumal im Kampfgeist nicht nachstehen. Darunter einen vom Parteitheoretiker Kossolapow, der  das baldige Ende des Kapitalismus beschwört und daraus den gesetzmäßigen Sieg des Sozialismus  herleitet. Wieder mal.

 

Ein anderer Autor  wettert gegen die Feinde, die  in der KPRF  Verschwörungen anzetteln, um ihre Anhänger zu irritieren und den Siegesmarsch der Kommunisten aufzuhalten. Wie   eh und je.

 

Allerdings brachte die Webseite der KPRF auch einen nüchterneren Beitrag.  Der Verfasser verweist darauf, dass die Position Putins in Russland ungebrochen sei  und bleibe. Bei allen Missständen seien in seiner Amtszeit die Löhne und Gehälter um das Dreifache und die Renten um das Zweieinhalbfache gestiegen. Zwar zogen die Lebenshaltungskosten auch  an, aber doch weniger stark. Dies sichert Putins Regiment. 

 

Eine löbliche Erkenntnis. Wenn sie aber stimmt, was sollen  dann  die Trompetentöne?  Auch wenn die KPRF das anvisierte Ziel von 35 Prozent der Stimmen erreicht, kann sie gegen den Präsidenten wenig ausrichten. Denn in Russland regiert der Präsident. Das Parlament liefert nur die Begleitmusik.

 

Das weiß auch die KPRF- Führung. Deshalb bläst sie zwar zum Kampf,  aber wenn es darauf ankommt, zieht sie es vor, den Präsidenten nicht  zu ärgern. Die Opposition seiner Majestät, wie Spötter sagen.

 

So erzittert der Kreml keineswegs, wenn Sjuganow die geballte Faust zeigt. Vermutlich kommt Putin das eher gelegen. Sonst würden   die Wähler, die an einem Sonntag   schließlich Besseres zu tun haben, die Wahllokale kaum aufsuchen.

 

Wie stünde dann die russische Demokratie vor den Augen der freien Welt da, fragt unser Experte Iwan Matrjoschkin, Esq.. Er rüstet sich, nach Russland zu fahren, um für den ordnungsgemäßen Ablauf der  Wahlen zu sorgen. Wenn die EU die Reisespesen übernimmt...

 

30.7.03      

 

Zur Startseite