Die Pupen sind anklickbar!

Eine eMail an uns?

 

Zur Startseite

Dostojewskis Ehrenrettung.

 

Es gab   kaum eine Aufführung der Berliner Volksbühne, die in der hiesigen Presse  so zerpflückt wurde, wie die Inszenierung des Romans „Der Spieler“ von Fjodor  Dostojewski. Am weitesten ging der Rezensent der Zeitung „Die Welt“ in seiner Kritik. Er  bemängelte die ungehörige Modernisierung des Stoffes, das Fehlen des roten Fadens, Langeweile trotz Effekthascherei. Insoweit hat er recht. 

 

Was aber auf Widerspruch stößt, ist der Versuch des Rezensenten, die Schuld für die misslungene Aufführung der Erzählung des großen russischen Dichters zu geben. Diese hat nämlich mit der Inszenierung nicht viel  zu tun. Wie übrigens mehr oder weniger auch andere Inszenierungen von Dostojewskis Werken am Berliner Kulttheater. Darunter auch jene  , die von der Berliner Theaterkritik positiver aufgenommen wurden. Denn in jedem Fall war der Dostojewski der „Volksbühne“  nicht der Dostojewski, den die Russen bereits anderthalb Jahrhunderte lesen und lieben.

 

Der wahre Dostojewski, wie übrigens auch der  in Deutschland  nicht weniger verlegte und inszenierte  Anton Tschechow, sind nämlich Dichter, die sich, wie  keine anderen in der Welt, vielleicht nur mit  Ausnahme der alten Griechen, mit allgemeingültigen  Fragen der  menschlichen Existenz geplagt haben. Vor allem mit der Frage, warum und wozu die Menschen so viel leiden müssen, auch wenn es ihnen, oberflächlich gesehen,  gar nicht schlecht geht., Wenn die  große, in ihrer Bedeutung unvergängliche Frage ausgeklammert wird, verfälscht eine Bühneninterpretation  die Aussage der Dichtung. Auch wenn sie gut gemeint ist.

 

Das ist es aber, was der Volksbühne mit der Inszenierung des „Spielers“ unterlief. Die Leidenschaft des Helden aus dem X!X. Jahrhundert, das Roulettespiel,  wurde hier mit dem berauschenden Börsenspielen des XXI. Jahrhundert verglichen. Der Romanheld wurde den modernen Spekulanten gleichgestellt, die über die Grenzen hinweg ungeheuer  viel Geld bewegen und dabei oft nicht nur sich selbst,  sondern  ganze Landstriche und sogar Länder ruinieren.

 

Mag die Parallele zum Teil stimmen. Aber indem ihr die ganze Handlung    gewaltsam unterworfen wurde, verlor diese an  innerer Spannung. Der wunderbaren Spannung, die  allen  Romanen von Dostojewski eigen ist und Lesergenerationen fasziniert.  Die Mätzchen der Regie konnten den Verlust nicht ausgleichen. Auch wenn sie sich viel einfallen ließ.  Wie zum Beispiel die mit nervenraubendem Gehupe über die Bühne dauernd fahrenden Mercedes und BMWs oder die in ihrer Eindeutigkeit nicht zu überbietende  Nacktszene.

 

So wurde leider der Hauptzug der klassischen russischen Dichtung, mehr noch, der in ihr weiterlebenden  russischen Seele,  im Zuschauerraum nicht wahrgenommen. Jener Seele, die trotz aller Perversitäten der russischen Geschichte, die Fähigkeit behielt, fremdes Leid wie das eigene zu empfinden. Und,  insofern sie sich in der klassischen   russischen Dichtung wiederspiegelte, diese zum wertvollsten Beitrag  der Russen zur europäischen Kultur machte. 

31.10.04  

--------------               

 

Im russischen Palais unter den Linden, Berlin, fand der 3.Deutsch-Russische Herbstball statt.

 

Früher  in der Residenz der russischen Botschaft  an der Spree schlicht und einfach undenkbar,  sind die Herbstbälle im prächtigen Palais Unter den Linden aus dem Leben Berlins jetzt nicht mehr wegzudenken. Der diesjährige  war der dritte und bot   mehreren Hunderten deutscher und russischer Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur viel Spaß, Unterhaltung und eine auserlesene Gastronomie (Bliny mit Kaviar!). Aber nicht nur das. Die Gäste hatten wieder eine gute Gelegenheit, sich über das Berufliche auszutauschen und nahmen diese auch intensiv wahr.  Wenn man ihr Kaliber bedenkt, muss man wohl anerkennen, dass der Herbstball nicht nur ein Amüsement war,  sondern eine  auf  unverkrampfte Art und Weise vollzogene Abstimmung der Ansichten von Personen, die in den beiden Ländern etwas zu sagen haben.

 

Allerdings verrieten Dr. Andrea von Knoop, die aus Moskau gekommene Delegierte der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation, und der Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland, Vladimir Kotenev, dass die Veranstaltung auf der Kippe stand. Es wurde nämlich bezweifelt, ob angesichts der Tragödie in der südrussischen Stadt Beslan, wo  viele Kinder und Erwachsene zu Opfern eines hinterhältigen Terroranschlags wurden, ein rauschender Ballabend angebracht sei.  Schließlich entschlossen sich die Gastgeber trotzdem zu dem Fest. Dabei gingen sie davon aus, dass gerade in einer Zeit, wo der internationale Terrorismus  Russland den offenen Krieg erklärt, ein Beweis der Solidarität doppelt wichtig ist.

 

Wie  die ganze Atmosphäre im Palais  Unter den Linden zeigte, war es eine richtige Überlegung. Auch weil das Treffen den Russen eine gute Gelegenheit bot, sich bei den Deutschen für die tätige Anteilnahme am Schicksal der Opfer zu bedanken. Und aus den Gesprächen mit den Russen konnten die Deutschen vielleicht mehr über  die Verbrechen des von außen inspirierten Terrors in Russland erfahren, als  ihre Medien darüber  bringen. 

 

Ansonsten ist zu vermerken, dass der künstlerische Teil der  Veranstaltung diesmal besonders reichhaltig und unkonventionell war. Die Gäste konnten sich je nach Geschmack sowohl russische Klassik als auch  russische Popmusik zu Gemüte führen.

 

Wohl auch deswegen begegneten einem beim Verlassen  des Palais  viele vergnügte und heiter gestimmte Menschen. Eine rundum gelungene Sache war dieser 3. Deutsch-Russische Herbstball in der Residenz der russischen Botschaft in Berlin. Ein guter Beitrag zur Vertiefung  der Verständigung zwischen Russen und Deutschen.  

24.9.04         

 

In Potsdam gingen die 6. Potsdamer Begegnungen zu Ende,  die regulären Treffen von deutschen und russischen Kulturschaffenden.

 

Der urbane Rahmen des Treffens passte sehr gut zu seinem Thema. Es galt nämlich dem Zusammenleben von Mehrheiten und Minderheiten. Kaum eine andere Stadt in Europa praktizierte das Zusammenleben so beispielhaft wie Potsdam. Und zwar noch zu der Zeit, als Toleranz für viele ein Fremdwort war. Nicht von ungefähr tragen  historische Viertel in Potsdam die Namen  Alexandrowka, Holländisches Viertel, Nowawes. Denn früher siedelten  dort Russen und in der Heimat verfolgte Angehörige der konfessionellen Minderheiten aus Westeuropa. Brandenburg und seine Metropole wurden ihnen zur zweiten Heimat. Und nota bene sie haben davon profitiert. Die Fremden, die sich dank hier geübter Toleranz sehr schnell an die neue Umgebung adaptierten, trugen der Wirtschaftsentwicklung und kulturellen Vielfalt Brandenburgs viel bei.

 

Dennoch ging es auf der Konferenz verständlicherweise nicht so sehr um die Geschichte, sondern ums Zusammenleben von ethnischen und konfessionellen Mehrheiten und Minderheiten in der Gegenwart. In einer Gegenwart, wo die Diskriminierung der Minderheiten mitunter mittelalterliche Züge trägt. Und die Fremdenfeindlichkeit durch recht abenteuerliche, aber wissenschaftlich verbrämte Theorien von der Unvereinbarkeit der Zivilisationen untermauert wird.

 

Deutschland ist allerdings ein Land, wo die Toleranz gegenüber den Fremden groß geschrieben wird. Vielleicht spielt dabei seine nicht sehr entfernte Vergangenheit eine Rolle. Hat diese doch gezeigt, wohin der entfesselte Fremdenhass führt. Das erklärt wohl, warum die deutschen Teilnehmer des Treffens immer wieder zu verstehen gaben, dass der Schutz der Minderheiten in Deutschland aktuell bleibt. Die Auseinandersetzung  zwischen dem Fremdenhass und der Toleranz gegenüber den Fremden geht in Deutschland weiter. Erst recht in der weiten Welt.     Der internationale Terrorismus schürt den Fremdenhass. Dieser Tendenz entgegenzutreten, hielten übrigens auch die russischen Teilnehmer des Treffens für sehr wichtig. Sie sprachen dem gezielten Abbau der Ressentiments in der russischen Bevölkerung das Wort, die nicht immer zwischen den Terroristen und ihren Stammesangehörigen eine klare Unterscheidung macht. Das belastet das Zusammenleben von Minderheiten und Mehrheiten in Moskau und anderen Städten der Russischen Föderation und ist für die Bekämpfung des Terrorismus konterproduktiv..

 

Dennoch hat Russland als Vielvölkerstaat in seiner Geschichte und der Gegenwart  wertvolle Erfahrungen des Zusammenlebens  verschiedener Völker. Die aus Russland gekommenen Teilnehmer des Treffens gingen darauf auch ein.

 

Bezeichnenderweise stand das Treffen unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Rau. Bundesinnenminister Schily hielt das Grußwort.

 

Das Treffen hat gezeigt, dass Russen und Deutsche einander auch zum Thema des Treffens vieles zu sagen haben. Die vom Deutsch-Russischen Forum gestalteten Potsdamer Begegnungen fördern den Meinungstausch zwischen zwei Völkern, die sich einander immer näher kommen. 

23.6.04          

 

 

SCHWYDKOI- EIN KUNSTSCHMUGGLER??? QUATSCH!

Im Runet tauchten Berichte auf, wonach der ehemalige,  im Zusammenhang mit der jüngsten Regierungsumbildung in Moskau ehrenvoll auf einen anderen Posten verschobene Kulturminister Russlands womöglich  an ungesetzlichen Transaktionen von  Kunstwerken ins Ausland nicht ganz unbeteiligt sei.

Jedenfalls soll  festgestellt worden sein, dass seine Gemahlin sich dessen schuldig gemacht hätte, indem sie die Dienste eines zwielichtigen Moskauer Antiquitätenladens  in Anspruch nahm. Eine Ermittlung,  um mehr Licht in die Angelegenheit  zu bringen, sei bereits eingeleitet worden.

Die gegen Michail Schwydkoi schiessenden Runetseiten nahmen die Berichte zum Anlass, über das rätselhafte Verschwinden von Millionenwerten aus russischen Museen zu jammern. Am  laufenden Band kämen Glanzstücke der Sammlungen abhanden. Manche tauchten  auf westlichen Kunstauktionen auf.

PS. Darauf angesprochen, äußerte unser Kunstexperte, Iwan Matrjoschkin, Esq.:

Es kann überhaupt  nicht stimmen, dass der joviale, witzige, kunstbeflissene Mann, oft in Deutschland gewesen, ein Kunstschmuggler ist. Niemals! Blanker Unsinn! Allerdings war Michail Schwydkoi in Deutschland vielleicht beliebter als in Russland. Weil  er zu versichern pflegte, er stehe voll und ganz hinter dem deutschen Verlangen, endlich die sogenannte „Beutekunst“ zurückzuerhalten. Verständlicherweise hielten deutsche Kunstfreunde auf seine in diese Richtung zielenden Aktivitäten große Stücke. Immerhin  ein zuständiger Minister! Dagegen nahmen  Betonköpfe in der Staatsduma Russlands ihm  die Haltung sehr übel. Denn sie fordern von Deutschland, dass es  die durch den Krieg 1941-1945 verursachten Schäden an russischen Kulturgütern begleicht.

Die „Beutekunst“ betrachten die „Betonköpfe“ als  Faustpfand. Die Engherzigkeit ist schwer zu glauben... 

Die besonders Uneinsichtigen  regten mehrmals den Rücktritt Schwydkois an. Jetzt, als der deutschfreundliche Mann seinen Posten tatsächlich räumen musste, trachten sie vermutlich danach, ihm den Rest zu geben. Übrigens sind die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Schwydkoi und Ehefrau  auf Ersuchen eines Dumaabgeordneten eingeleitet worden.     

Wie dem auch sei, bringt die Affäre den  ersehnten Zeitpunkt der Rückgabe der am Ende des Krieges und in der ersten Nachkriegszeit  in die Sowjetunion verlagerten deutschen Kunst- und Kulturgüter nicht näher. Erst recht nicht, wenn die  schleichende Entwendung der Schmuckstücke aus den russischen Kunstsammlungen tatsächlich stattfindet. Denn es ist wohl nicht anzunehmen, dass gerade die deutschen Schätze von Kunstdieben verschont bleiben.

Wenn man die der Gattung Mensch eigene Undankbarkeit kennt, schließt man übrigens weitere giftige Angriffe gegen Schwydkoi nicht aus.   Vielleicht wird ihm eines Tages sogar vorgeworfen, die Deutschen mit der falschen Hoffnung, die „Beutekunst“ würde von selbst zurückkommen,  besänftigt zu haben.

Der nette Partner der deutschen Kulturbeauftragten, Christine Weiss! Es war eine Freude, die beiden zusammen, vor gegenseitiger Sympathie strahlend, in Berlin zu erleben...Jetzt ist es wohl passe. Kaum noch Hoffnung, das  letzte Hindernis auf dem Weg der vertrauensvollen Freundschaft zwischen Deutschland und Russland würde demnächst ausgeräumt... Schade!

Schwydkoi, der immer wieder Kopf und Kragen riskierte, um nach Deutschland das zurückzuführen, was den Deutschen gehört, darf aber nicht in Vergessenheit geraten... Es wäre vielleicht an der Zeit, vorausschauend um ein Ehrenasyl für ihn in Deutschland nachzudenken. Im Konzern „matrjoschka-online.de ist er übrigens immer willkommen.

1.6.04   

Die EU-Osterweiterung hinterlässt  bereits jetzt Spuren im Berliner Alltag.

Die  am Ersten Mai in Berlin mit peinlicher Regelmäßigkeit randalierenden Ultralinken und Ultrarechten machten diesmal Lärm   gegen die EU- Osterweiterung. Die einen, die  mit der deutschen Arbeiterklasse nichts gemeinsam haben, spekulierten nichtsdestoweniger auf die Angst unter den deutschen Arbeitnehmern vor der Abwanderung der deutschen Unternehmen in die osteuropäischen Staaten und  vor unlauterer Konkurrenz der Gastarbeiter aus Osteuropa auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die anderen wollten sich als deutsche Patrioten aufspielen, die gegen Überfremdung ankämpfen. In der Realität bewiesen sowohl die einen, als auch  die anderen  ein übriges Mal, dass sie nur eins wollen.  Und zwar Randale. Das einzige, wodurch sie auffallen können. Ihr gemeinsames Markenzeichen sind  fliegende Pflastersteine.  Auch diesmal mussten Dutzende Polizisten, die sich erstaunlich korrekt verhielten, ins Krankenhaus. 

Die normalen Berliner mieden  aber die Strassen, wo die Steine flogen. Sie bevölkerten zahlreiche Märkte mit dem üblichen Sortiment von gebratenen Würstchen und Bier. Diesmal gab es davon aber viel mehr als sonst polnischer Herkunft. Verkauft  von waschechten Polen, die sich mitunter nur mit Mühe auf Deutsch verständigen konnten. Die anderen Neulinge in der EU sind anscheinend nicht so mobil wie die handelstüchtigen Nachbarn Deutschlands von der anderen Oderseite. Aber es ist wohl nicht daran zu zweifeln, dass auch ihr Erscheinen nicht lange auf sich warten lässt.  

Als russischer Journalist nahm  man mit Bedauern zur Kenntnis, dass das Heimatland auf den hauptstädtischen Märkten wieder ziemlich blass aussah. Zwar ist Russland in Berlin als Exporteur mit Waren vertreten, die – bei aller Achtung vor den  saueren Gurken aus Polen-  für die Berliner doch wichtiger sind. Zum Beispiel mit russischem Erdgas, das den größten Anteil des Berliner Verbrauchs bestreitet. Aber wer weiß schon, aus welchem Land das Gas kommt, mit dem er kocht oder heizt. Die Gurken und marinierte rote Rüben mit polnischem Etikett stehen dagegen auf der Festtafel. Und „Zubrowka“ auch. 

Allerdings melden  Inhaber von russischen Lebensmittelgeschäften, die bereits  fast überall in der Stadt  zu finden sind, eine deutliche Zunahme der Kundschaft, vor allem der deutschsprachigen. Es ist wohl darauf zurückzuführen, dass den Berlinern  bewusster geworden ist, dass sich ihre Stadt jetzt immer mehr zum Ostbahnhof Europas entwickelt, wie der bekannte deutsche Historiker Karl Schlögel   bereits vor Jahren voraussagte. Er meinte allerdings unter dem Osten vor allem Russland, da es auch ihm nicht in den Kopf  wollte, dass  der seit Jahrhunderten wichtigste Partner Deutschlands im Osten hinter der ostwärts verschobenen EU- Ostgrenze bleiben würde.

Dennoch   zweifelt Mann/Frau  von der Berliner Strasse im Unterschied zu manchen deutschen Politikern nicht  daran,  dass Russland   zu Europa  gehört. Auch deswegen  gehen Berlinerinnen  und Berliner  jetzt, wo der Osten an Berlin  näher gerückt ist,  öfter in die russischen Läden. Und kommen mit der  Pralinenschachtel  „Mischka“ unter dem Arm nach Hause, bei den Ostberlinern noch aus früheren Zeiten ein Begriff. Oder mit vielen anderen russischen Leckerbissen, die in jedem russischen Laden angeboten werden.

Vorläufig bestätigen sich nur auf diese Weise  die Zusicherungen der  Urheber der EU-Osterweiterung , dass niemand eine Mauer  zwischen Russland und Europa  ziehen will. Ob es tatsächlich so ist, bleibt aber abzuwarten. Mischkas  und Pelmenis auf dem Ladentisch sind als Aufrichtigkeitsbeweis ein bisschen zu wenig. 

3.5.04

NOCH EIN AUFSTAND GEGEN AMI- BESATZUNG.  

Noch- weil nicht im Irak, sondern in Russland. Genauer gesagt, im Runet. Und nicht gegen  die militärische, sondern gegen die kulturelle Überfremdung. Genauer gesagt, gegen die durch die Ami- Pop- Kultur.  

Der Aufstand hat einen Leader. Genauer gesagt, eine Leaderin. Hier ist sie:

 

 

Sie heißt Aljona Pisklowa. Ein einfaches Mädchen aus einem ärmlichen Moskauer Vorort. Geboren 5.4.1985. 164 cm groß. 60 kg schwer.  Die Maße: 90- 75- 100.  

Merken Sie sich bitte die Maße. Sie entsprechen nicht dem amerikanischen Standard  von 90-60-90. Aljona ist nämlich mollig. Wie es die meisten Russen gern haben. Kein Barbietyp. Wie ihn die meisten Amis schön finden.

Aljona ist selbstbewusst. Damit  liegt sie im Trend des gegenwärtigen Russlands. Es besinnt sich  bekanntlich  auf das Eigene. Es will sich  der Globalisierung der  Ami- Macht,  auch der Ami- Popkultur, die eine Waffe dieser Macht ist,  widersetzen. Der Globalisierung der Niethosen, des Fast- Food und eben des Barbieschönheitsideals.

Wie gut Aljona im Trend Russlands liegt, wurde spektakulär, als sie sich, obwohl mollig, um die  Teilnahme an der Wahl der Miss Universum bewarb, die demnächst in Ecuador statt finden soll. Die Vorwahlen erfolgten im Runet. Durch Userabstimmung.

Nach den aktuellen Ergebnissen ließ Aljona alle  Mitbewerberinnen weit zurück. Gleich am ersten Tag votierten  viel mehr als 10.000 User fürs mollige Mädchen.  Weil es eben kein Barbie-, sondern ein urrussischer Typ ist.

Sofort wurde ein Aljona- Pisklowa- Komitee gebildet, ein Revolutionskomitee. Es verkündete seine Entschlossenheit, weltweit dafür zu sorgen, dass es keine Standards mehr gibt. In jeder Sparte des menschlichen Daseins. Überall soll endlich die Individualität  obsiegen. So dass jeder  sein darf, wie es ihm gelüstet.  Und nicht so, wie ihm die Werbung vorschreibt. Gegen jegliche Gleichschaltung !- lautet die Devise.

Nach unbestätigten Berichten ist Ljudmila Putina, die Ehefrau des russischen Präsidenten, dem Komitee beigetreten. Mollig ist sie. Das steht fest.

Das Komitee brachte bereits Dutzende Plakate in Umlauf. Bezeichnenderweise lehnen sich die Entwürfe an die Vorbilder des großen Aufbruchs  in Russland von 1917 an. Bloß damals wurde eine Welt geboren, die zwar der kapitalistischen Gleichschaltung gegenüberstand, aber eine andere, noch schlimmere praktizierte. Jetzt geht es ums Ende jeder Gleichschaltung. Welcher Couleur auch immer.

Jetzt geht es um die Erschaffung einer ganz neuen Welt, wo jeder so ist, wie der liebe Gott ihn schuf.

Die Russen müssen eben immer wieder eine ganz neue Welt erschaffen. Mit Kleinerem  geben sie sich nicht ab.

Und sie hoffen auf Unterstützung. Auf Solidarität.

Vor allem  in Europa. In der EU. In Deutschland.

Das matrjoschka- team (ausgenommen Iwan Matrjoschkin, Esq., der zwar den Barbietyp nicht ausstehen kann, aber seine etwas zu molligen Kolleginnen noch weniger) ruft die weltweite Gemeinschaft von matrjoschka – Freunden auf, dem Appell Folge zu leisten.

Wie?

Zum Beispiel mit  Briefen an den Bundeskanzler. Auch wenn Aljona Pisklowa offensichtlich nicht seiner Geschmacksrichtung entspricht, stellt er bestimmt das Wohl des Landes darüber. Das Wohl des Landes, das unzertrennbar mit der weiteren Festigung der deutsch-russischen  Freundschaft zusammenhängt. Auch auf der Grundlage der gemeinsamen Ablehnung des Barbietyps.

Auch die Opposition der Berliner Regierung ist zur Solidarität aufgefordert.  Übrigens sollte Angela Merkel  die Ablehnung der Barbiemaße  nicht besonders schwer fallen.

Das Revolutionskomitee wendet sich jedenfalls an Alle. Unter anderem mit diesem herrlichen Plakat:

 

 

 

„Hast Du Deine Stimme Aljona Pisklowa gegeben?“ - lautet die Unterschrift.

Oder willst Du in Sibirien landen? – könnte die nächste Frage heißen. Aber sie wurde nicht gestellt. Noch nicht.

Um Ihrer  bürgerlichen und nationalen Pflicht nachzukommen, klicken Sie bitte www.stopbarbie.org.ru an. Damit unterstützen  Sie die neue große russische Revolution.

Mit Aljona Pisklowa an der Spitze.  

10.4.04 

Zur  Startseite